Frag eine Tierärztin- Was tun gegen Zecken?

Interview mit Tierärztin Janina Benner durchgeführt von Bloggerin Daniela von „Wuide Goas“

Heute befinden wir uns in der virtuellen Tierarztpraxis von Janina Benner. Die erfahrene Tierärztin klärt uns über das leidige Thema Zecken auf. Wir gehen der Frage nach wann Zecken vorkommen, was wirklich gegen sie hilft und wie man sein Haustier am besten vor Zecken und den von ihnen übertragenen Krankheiten schützen kann. Solltest du dich als Tierbesitzer schon über die eine oder andere Zecke geärgert haben, ist die heutige Zeckensprechstunde wie für dich gemacht.

Magst du dich kurz vorstellen?

Hallo, freut mich sehr über das Thema Zecken sprechen zu können, das ist ein sehr wichtiges und vielerorts noch etwas unterschätztes Thema. Mein Name ist Janina Benner und ich bin seit mittlerweile 12 Jahren Tierärztin. Ich bin in einem kleinen Dorf in Hessen aufgewachsen und es war schon immer mein Traum Tierärztin zu werden. Ich habe das auch komplett die ganze Schulzeit über durchgezogen und alle Praktika bei TierärztInnen gemacht. Dadurch wurde es mir nur bestätigt, dass ich unbedingt Veterinärmedizin studieren will. 2014 habe ich mich in Mühlheim an der Ruhr mit meiner Kleintierpraxis Benner niedergelassen und habe es bisher noch nicht bereut.

Wieso hast du dich für die Arbeit mit Kleintieren entschieden?

Ich hatte zwar auch mal eine typische Pferdephase, aber irgendwie war mir immer klar, dass es die Kleintiere sein sollen. Zu Hunden und Katzen hatte ich einen viel innigeren Bezug als zu den Großtieren. Im Studium hat es mich auch abgeschreckt bei Wind und Wetter zu den Ställen zu fahren, da fühle ich mich in meiner Praxis deutlich wohler.

1. Wie häufig siehst du in deiner Praxis Zecken an Hunden und Katzen?

Schon in meiner Studienzeit sind Zecken ganzjährig aufgetreten. Heutzutage sehe ich insbesondere bei Hunden und Freigängerkatzen das ganze Jahr über Zecken. Vor allem im Herbst und Winter lassen sich vermehrt Zecken an den Tieren finden. Das kommt wohl daher, dass die Besitzer durch die kälteren Temperaturen denken, dass sie den Zeckenschutz außer Acht lassen könnten. Das ist allerdings ein Trugschluss, da die Zecken wie gesagt in allen Jahreszeiten vorkommen.

Ixodes ist die artenreichste Zeckengattung
Der bekannteste europäische Vertreter der Schildzecken ist der Gemeine Holzbock | Lieblingstier

2. Was sollte ich als TierhalterIn machen, wenn ich bei meinem Tier eine Zecke sehe?

Es ist ganz wichtig die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Die Zecken geben ihre Erreger nach jedem Stich in den Blutkreislauf des Tieres ab. Die Übertragung kann je nach Erreger 12- 72 Stunden dauern. Um eine Erkrankung zu vermeiden sollte die Zecke schnell abgezogen werden. Es ist zu empfehlen prophylaktisch gegen die Zecken vorzugehen, da man z.B. bei langhaarigen Tieren einen Zeckenbefall oft auch gar nicht sieht.

3. Wie entfernt man eine Zecke richtig und ist es schlimm, wenn der Kopf stecken bleibt?

Im Prinzip eignet sich dafür eine normale Pinzette. Man könnte auch die Finger nehmen. Es gibt auch Zeckenhaken oder Zeckenkarten, man kann einfach probieren mit welchem Hilfsmittel man am besten klarkommt.  Wichtig ist, dass man die Zecken nicht eine halbe Stunde im Uhrzeigersinn dreht, so dreht man den Körper ab. Man sollte die Zecke beherzt und kontrolliert rausziehen, so dass sie als Ganzes entfernt wird.

Es ist ein Irrglaube, dass manchmal der Kopf stecken bleibt. Meistens handelt es sich dabei um das Mundwerkzeug bzw. ein paar Teilen davon. Sollte es stecken bleiben, wäre es nicht weiter schlimm. Die Krankheitserreger befinden sich im Körper der Zecke. Wird dieser entfernt, kann keine krankhafte Übertragung mehr stattfinden. Es kann jedoch zu lokalen Entzündungsreaktionen kommen, da der Körper das Fremdmaterial abstoßen möchte. Normalerweise eitern diese Reste raus und fallen nach einer Zeit ab. Wer das nicht abwarten möchte kann diese Überbleibsel bei einer TierärztIn entfernen lassen. Anschließend wird die Stelle mit Jodsalbe oder einer anderen desinfizierenden Salbe versorgt, um einer größeren lokalen Entzündung vorzubeugen.

4. Welche Krankheiten können durch Zecken übertragen werden und gehen diese auch auf den Menschen über?

Zecken übertragen verschiedene Krankheiten, wie z.B. Babesiose, Ehrlichiose und Borreliose. Beim Menschen ist z.B. auch die Frühsommer- Meningoenzephalitis bekannt. Diese verschiedenen Krankheiten werden von unterschiedlichen Zeckenarten übertragen. Also es ist nicht so, dass eine Zecke alle genannten Krankheiten als Komplettpaket überträgt. Die Borreliose und Anaplasmose werden beispielsweise vom gemeinen Holzbock übertragen, die Babesiose von der Auwaldzecke und die Ehrlichiose von der braunen Hundezecke. Diese Krankheiten sind oft nicht behandelbar und können sogar mit dem Tod einhergehen. Es gibt keine wirksamen Medikamente dagegen, man kann nur mit verschiedenen Antibiotika versuchen symptomatisch zu behandeln. Eine Heilung gibt es allerdings nicht. Manche Krankheiten treten in Schüben auf, gerade die Babesiose, die auch immer noch als Hunde- Malaria bezeichnet wird. Um diese bösen Krankheiten zu vermeiden sollte man sein Tier ganzjährig vor Zecken schützen. Keiner will sein Tier einschläfern müssen, weil eine Zecke am Werk war.

Krankheiten wie die Borreliose oder die Frühsommer- Meningitis können auch uns Menschen nach einem Zeckenstich befallen. Was jedoch nicht passieren kann ist, dass sich die TierbesitzerIn bei ihrem Tier anstecken kann, dazu ist immer ein direkter Zeckenstich notwendig.

Auwaldzecken
Die Auwaldzecke ist ein Vertreter der Gattung der Buntzecken | Lieblingstier

5. Wirken Hausmittel wie Kokosöl oder Bernsteinketten wissenschaftlich bewiesen gegen Zecken?

Diese Hausmittel haben keine abwehrende Wirkung auf Zecken. Man sagt, dass das Kokosöl Laurinsäure und Buttersäure enthält, was die Zecken wohl riechen können. Die Zecken haben ein sog. Haller´sches Organ, das ist ein Sinnesorgan mit Chemorezeptoren womit sie besagte Säuren wahrnehmen können, genauso wie bestimmte Pheromone. Diese Stoffe, wie z.B. die Laurinsäure wirken allerdings eher anziehend als abstoßend. Die Zecke denkt sich: “Ah ok, da ist jemand, der riecht lecker“, und möchte zum Tier, denn das bedeutet für sie frisches Blut. Bernsteinketten sollen angeblich über eine elektrostatische Aufladung funktionieren und durch die Entladung Zecken abwehren. Wenn überhaupt bekommt jedoch nur der Hund die Entladung mit, die Zecke wohl kaum. Weder Kokosöl noch Bernsteinketten schützen somit Hunde und Katzen bewiesenermaßen vor Zecken.

6. Was wirkt wirklich gegen Zecken?

Es müssen Stoffe eingesetzt werden, die akarizid wirken. Das bedeutet, dass sie explizit Milben und Zecken bekämpfen. Akarizide bewirken also, dass die Zecke nach einem Stich abfällt und stirbt. Es gibt auch Substanzen, die repellierend wirken. Man sollte immer Rücksprache mit seiner TierärztIn halten, welches Präparat am besten für das eigene Tier geeignet ist. Ob es ein Spot on, eine Kautablette oder ein Halsband ist, muss individuell entschieden werden. Leben z.B. Kinder im Haushalt sollte man auf Spot ons verzichten, da Kinder das gern schnell mal an den Fingern haben. Bitte also vor jeder Zeckenprophylaxe zur Tierarztpraxis des Vertrauens gehen, um sich adäquat beraten zu lassen.

7. Wieso sollte man die Zeckenschutzmittel nur bei einer TierärztIn kaufen?

Normale Geschäfte dürfen keine Medikamente verkaufen, das darf nur eine Apotheke in unserem Fall die tierärztliche Hausapotheke. Deswegen sind freiverkäufliche Halsbänder oder Spot ons aus dem Petshop oder der Drogerie ohne jegliche nachgewiesene Wirkung. Ich habe in der Praxis eher erlebt, dass diese frei zu erwerbenden Spot ons mehr schaden als nützen und zu Hautreizungen bei Hund und Katze führen, aufgrund der darin enthaltenen ätherischen Öle. Da sollte man besser die Finger davonlassen.

Janina Benner
Tierärztin Janina Benner

wuide goasDas Interview führte Wuide Goas – dein Tiermedizin Blog & Podcast.
In ihrem Blog beweist Daniela in zahlreichen Interviews und Erfahrungsberichten Herz & Verstand für die Veterinärmedizin. Ihre wöchentlich erscheinenden Beiträge handeln vom Alltag in Tierarztpraxen, dem Studium, der Veterinärmedizin im Allgemeinen und der Forschung für die Tiermedizin.