Wie Katzen schlafen – vom Träumen, Jagen und Kuscheln

„Katze müsste man sein – den ganzen Tag schlafen und nur zum Füttern und Spielen aufstehen“. An dem Traumbild vom gemütlichen Katzenleben ist tatsächlich einiges dran. Etwa zwei Drittel ihres Tages schlafen Katzen in der ein oder anderen Form. Bei den genauen Zahlen sind sich die Fachleute nicht ganz einig, aber selbst die vorsichtigste Angabe (12,1 Stunden von Eric H. Chudler, University of Washington, 2018) geht von einem halben Tag aus. Häufiger liest man höhere Zahlen – bis zu 18 Stunden für ältere und über 20 Stunden für ganz junge Tiere. Aber warum schlafen die kleinen Stubentiger so viel und wie unterscheiden sich ihre Schlafphasen voneinander?

Die Raubkatze im Stubentiger

Dass deine Fellnase sich so viel ausruhen muss, erklären die Fachleute damit, dass in ihr immer noch ein kleiner Löwe steckt. Raubkatzen benötigen extrem viel Energie für die Jagd – nicht nur für das eigentliche Rennen und Schlagen der Beute, sondern auch aufgrund der extrem angespannten Sinne in der Aufmerksamkeitsphase. Deswegen sammeln sie ihre Kräfte wann immer sie können für den nächsten Beutezug.

Bei den „echten“ Löwen können das auch mal 20 Stunden am Tag sein. Deine Samtpfote scheint dir gar nicht so der große Jäger zu sein? Das stimmt für die Futterbeschaffung sicher, darum kümmerst du dich ja. Aber deine Fellnase lebt ihre Instinkte weiterhin beim Spielen und bei ihren Streifzügen aus – der Rhythmus von kurzer anstrengender Aktivität und längerer Erholung steckt also auch in ihr.

Katze im Traumland
Die Lieblingsmieze im Schlummerland

 

 

 

Aktiv bei Dämmerung

Die natürliche Prägung durch die alten Jagdinstinkte ist auch der Grund, warum Katzen gerne in den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung lebhaft werden. Von Natur aus war das die Zeit, in der sie am besten Beute machen konnten – noch besser als später in der Nacht. Katzen sind deswegen genaugenommen eher dämmerungsaktive Tiere und nicht nachtaktiv, wie häufig vereinfachend gesagt wird. Den Zusammenhang Spielen-Jagd-Futter-Schlafbedürfnis kannst du dir übrigens zunutze machen, wenn dein Stubentiger die Neigung hat, deinen eigenen Nachtschlaf zu stören. Gestalte seinen Tag möglichst aktiv und plane gerade vor dem Schlafengehen eine ausgiebige Spielphase ein, gefolgt von einer üppigen Portion Futter – deine Samtpfote wird sich dann voraussichtlich erst einmal etwas Ruhe gönnen. Stelle ihr für die Nacht beziehungsweise den frühen Morgen zusätzlich noch etwas Futter hin. So kann dein Liebling seiner Neigung folgen, die Nahrungsaufnahme auf mehrere kleine Mahlzeiten zu verteilen, ohne dich zu stören.

Schlaf ist nicht gleich Schlaf – warum auch Katzen träumen

Ähnlich wie beim Menschen unterscheiden Fachleute auch bei Katzen zwischen einem leichten Schlaf und Tiefschlafphasen. Allerdings sind die Sinne der Fellnasen in den leichten Schlafphasen noch wesentlich wacher als bei uns Menschen. Sie können auch dann blitzschnell auf äußere Reize wie etwa Geräusche reagieren und sind, wenn nötig, sofort wieder voll da. Diese Phasen, die man auch als leichtes Dösen beschreiben kann, dienen vor allem der körperlichen Erholung. Sie machen den Hauptteil des Katzenschlafs aus.

Kürzer und für deinen Liebling sehr wichtig sind die intensiven Tiefschlafphasen. Während des Tiefschlafs reagiert die Fellnase nur auf extreme äußere Reize. Dafür zeigt ein gelegentlicher Seufzer oder ein leichtes Zucken der Pfoten, des Schwanzes oder der Barthaare, dass die Katze träumt. Wie der Mensch verarbeitet die Katze damit ihre Erlebnisse. Der Tiefschlaf ist also Erholung für ihren Geist, dient dem Lernen, der Ausgeglichenheit und ihrer mentalen Gesundheit. Deswegen ist es wichtig, dass niemand deine Samtpfote in den Tiefschlafphasen stört oder weckt. Lasse sie ungestört schlafen, auch wenn du das Gefühl hast, dass sie einen Alptraum hat oder du sie gerade jetzt gerne streicheln möchtest.

Anders als nach dem Dösen braucht deine Fellnase nach Tiefschlafphasen ihre Zeit, um wieder aktiv zu werden. Jetzt kannst du typische Rituale wie das ausgiebige Räkeln, Dehnen und Strecken beobachten. Vor ihrem „Neustart“ widmet sich deine Samtpfote gerne auch erst einmal konzentriert ihrer Fellpflege. Gut erholt und geputzt kann es dann wieder losgehen.

Die Katze im Karton – welche Schlafplätze Katzen mögen

Noch einmal zurück zu den Löwen. Die können sich ihre langen Schlafphasen auch deswegen erlauben, weil sie wissen, dass andere Tiere das nicht für Angriffe ausnutzen werden. Deine Samtpfote wird sich da weniger sicher sein, selbst wenn sie sehr sehr selbstbewusst ist. Deswegen bevorzugt sie Schlafplätze, bei denen sie einerseits ein wenig zurückgezogen oder erhöht liegen kann – gewissermaßen außerhalb der Gefahrenzone – und andererseits schnell in den Beobachtungsmodus wechseln kann. Daher die Vorliebe für Verstecke in Regalen und für Nickerchen auf Fensterbänken, Tischen und Stühlen.

Ruhe bitte! Die Katze möchte schlafen

Weil ihre Sinne beim Dösen wach bleiben, werden deiner Katze ruhige Plätze lieber sein also solche, bei denen viele Geräusche ihre Aufmerksamkeit immer wieder aktivieren. Manchmal wird sie sich deswegen auch so gründlich zurückziehen, dass du sie vergeblich suchst – und wenn du sie findest eventuell ein erstauntes „Da hat sie doch noch nie gelegen“ ausrufen. Es ist normal, dass deine Fellnase häufig solche neuen Schlafplätze ausprobiert. Das hängt zum einen mit sich ändernden äußeren Bedingungen und Reizen zusammen. Temperatur, Gerüche und Geräusche passen situationsbedingt mal besser an dem einen und dann wieder besser an einem anderen Schlafplatz. Wahrscheinlich hängt der häufige Wechsel aber auch mit uralten Überlebensstrategien zusammen: Ein Tier, das sich häufig einen neuen Schlafplatz sucht, können Feinde nicht so leicht aufspüren wie eines, das einen festen Ort bevorzugt.

Katze auf dem Weg ins Schlummerland
Schlaf gut, kleiner Stubentiger!

Welcher Schlafplatz gerade angesagt ist, hängt dann auch von der Temperatur ab. Generell bevorzugen die Fellnasen einen warmen und schattigen Schlafplatz. Für die Erholung ist aber auch wichtig, dass der Körper nicht allzu viel Energie in die Temperaturregulierung stecken muss. Deswegen ist bei Hitze eher ein kühler Untergrund angesagt, bei Kälte eher ein Plätzchen auf der Heizung. Spendiere dem Heizkörper dann am besten eine katzengerechte Auflage, um deinen Liebling vor Überhitzung zu schützen.

Das Wärmebedürfnis der Samtpfoten ist übrigens auch ein Grund, warum sie sich gerne mal in enge Kartons zurückziehen. Hier baut sich sehr schnell ein kuscheliges Mikroklima auf und sie fühlen sich gleichzeitig geschützt. Das Höhlenartige der Kartons und das Wärmegefühl sprechen damit gemeinsam die Instinkte der Katze an – zumindest für eine Weile, bis wieder ein anderer Schlafplatz interessanter wird.

Wache Sinne während der Ruhephase

Bei allem Rückzugsbedürfnis: Ein bisschen Lieblingsmensch mag deine Fellnase dann doch am Schlafplatz, nämlich wenn es um den Geruch geht. Hat sie eine gute Bindung zu dir aufgebaut, wird sie sich vermutlich eher auf einem T-Shirt ausruhen, dass (leicht) nach dir riecht, als auf einer frischgewaschenen Decke, die aufdringliche Weichspülerduftnoten von sich gibt. Ein unpassender Geruch wird vermutlich einer der Gründe sein, warum so manche Samtpfote ein teuer gekauftes Katzenbett verschmäht und sich lieber eine vertraute Ecke sucht.

Kann sie es sich direkt auf dir bequem machen, ist das ganz toll für deine Katze. Denn dann hat sie nicht nur den vertrauten Geruch in der Nase, sondern auch deine Wärme und deinen Schutz. Ob du deinen Liebling deswegen auch bei dir im Bett schlafen lässt, musst du selbst entscheiden. Deine Samtpfote baut auch dann eine Bindung zu dir auf, wenn du dein eigenes Bett für sie zur Sperrzone erklärst. Nur eines solltest du unbedingt vermeiden: Dass du deine Haltung in der Frage ständig wechselst. Das verwirrt deinen Liebling und kann störendes nächtliches Katzentheater stärker provozieren, als ein konsequentes Schlafzimmerverbot.

Schlaf ist gesund! Und wenn nicht?

Du weißt jetzt, dass langes Schlafen bei Katzen völlig normal ist, genauso wie häufige Wechsel des Schlafplatzes und abendliche Unruhe. Kann es trotzdem ungesunden Katzenschlaf geben? Die wichtigste Antwort: Ungesund ist vor allem, wenn der Schlaf deiner Fellnase häufig gestört wird oder du versuchst, ihr abrupt einen neuen Rhythmus aufzuzwingen. Ganz an menschliche Schlafenzeiten wird sich deine Samtpfote ohnehin nicht halten, aber wenn du ihr eine Routine beim Spielen und Füttern gibst, wird sie sich häufig daran anpassen.

Skeptisch beim Schlafverhalten deiner Katze solltest du nur werden, wenn dein Liebling seine Gewohnheiten auffällig ändert oder plötzlich deutlich länger in einer Kauerhaltung ausruht. Das kann ein Signal für eine Krankheit sein. Lasse dich bei solchen Verhaltensänderungen am besten von deinem Tierarzt beraten. Ansonsten gilt: Viel Entspannung ist gut – am besten, wenn ihr sie gemeinsam genießt.