Warum schnurren Katzen?

Schon gewusst? Es gibt tatsächlich Menschen, die sich der Schnurrforschung verschrieben haben. Ob sich die Wissenschaftler auch tatsächlich Katzenschnurrforscher nennen bleibt fraglich, ihre Arbeit ist jedoch auch nach Jahrzehnten noch nicht abgeschlossen. Zu viele Fragen wirft das konstante Brummen der Katzen alias Schnurren noch auf.

Was wir über das Schnurren wissen

Unser Stubentiger ist nicht die einzige Katze bzw. das einzige Tier, welches sich mittels Schnurrlauten ausdrückt. Unter den schnurrfähigen Tieren befinden sich Geparde, Ozelots, Pumas, Servale, Luchse, Schleichkatzen sowie einige Affenarten und Gürteltiere. Großkatzen wie Tiger und Löwen können wiederum nur beim Ausatmen Töne erzeugen. Ihr „Schnurren“ klingt daher abgehackt und verläuft nicht durchgehend. Man vermutet, dass diese Variation anatomisch bedingt ist und durch das Zungenbein entsteht. Großkatzen haben im Vergleich zu anderen Katzengattungen statt des verknöcherten ein elastisches Zungenbein.

Andere Theorien zur Entstehung des Schnurrens machen den Kehlkopf oder sogenannte „falsche“ Stimmbänder für die Töne verantwortlich. Sie erklären damit in diesem Fall aber nicht die Unterschiede der Schnurrlaute beim Ausatmen der Katzen.

Wie auch immer das Geräusch entsteht, es ist anatomisch äußerst aufwändig. Dieser Aufwand muss doch einen positiven Effekt erzeugen, oder etwa nicht? Katzenbesitzer sehen beim Schnurren in erster Linie das Bekunden von Wohlgefallen und Zufriedenheit. Das bindet das Mensch-Tier-Gespann noch besser aneinander und der „Dosenöffner“ freut sich über diesen kleinen Liebesbeweis seines Vierbeiners. In diesem Fall wären die brummigen Laute aber ein rein kommunikatives Mittel. Dagegen spricht jedoch, dass man bereits einsame und unter Schmerzen leidende Tiere schnurren gehört hat. Wie passt das zusammen?

Wann schnurrt die Katze und warum?

Bei Wohlgefallen:

Diese Form des Schnurrens kennen wir alle. Wenn wir Katzen streicheln, antworten sie in den häufigsten Fällen mit genießerischem Schnurren. Dabei werden die Augen zugekniffen und die Samtpfote suggeriert uns, dass es ihr so richtig gut geht. Oft interpretieren wir aber schon zu viel der Glückseligkeit in die surrende Antwort unseres Lieblingstiers. In der Regel kann man sagen, dass Schnurren so viel heißt wie „ich bin zufrieden“ oder „im Moment passt alles“ – es ist eben okay, mehr aber auch nicht. Sicher können wir nur sein, dass sie uns beim Schnurren friedfertig gesinnt ist.

Zur Selbstheilung und Schmerzkontrolle:

Die neueste Forschung beschäftigt sich überwiegend mit dem gesundheitlichen Aspekt der Vibration beim Schnurren. Schnurren ist niederfrequent und beträgt bei Hauskatzen in etwa 25 Hz. Dies könnte darauf hindeuten, dass es sich bei den felinen Geräuschen um eine Art Selbstheilungsmechanismus handelt. Ähnlich der Vibrationstherapie in der Humanmedizin.

Beobachtet werden konnte das sowohl bei akuten wie auch bei zu erwartenden Verletzungen bzw. Schmerzen bei Katzen. So erzählen Veterinärmediziner immer wieder, dass ein Stubentiger bei Ihnen auf dem Behandlungstisch das Schnurren angefangen hat. Ebenso wird auch des Öfteren beobachtet, dass Katzen während der Geburt ihrer Nachkommen schnurren. Hierbei könnte es sich zudem um Schmerzkontrolle handeln.

Schnurren hat verschiedene Gründe
Schnurren ist eine Wissenschaft

Im Prinzip gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Vibrationen aber vor allem vorbeugend fungieren. So soll durch das Schnurren der Bewegungsdefizit bei Katzen ausgeglichen werden. Passen würde dazu, dass Hunde, die sich bei der Jagd körperlich verausgaben, nicht schnurren können. Katzen gehören hingegen zu den Lauerjägern und sprinten nur bei kurzen Distanzen. Die Idee der Schnurrexperten besagt, dass das Vibrieren ständig den Stoffwechsel ankurbelt und somit neue Zellen zur Knochenbildung entstehen.

Zur Beruhigung:

Schnurren dient nicht nur zur eigenen Beruhigung, sondern auch zur Aggressionsreduzierung der Angreifer. Wenn sich eine Katze bedroht fühlt, schnurrt sie zum einen, um sich die Angst zu nehmen, aber auch um den Gegner zu besänftigen. Forscher sind sich einig, dass schnurrende Katzen niemals angreifen würden. Handelt es sich beim Schnurren in diesem Fall um eine sozialkommunikative Geste, weiß der Gegner, dass er nichts von ihr zu befürchten hat. Es handelt sich sprichwörtlich um die Kapitulation der Katze. Fatal wirkt sich dieses Verhalten jedoch aus, wenn es sich bei dem „Angreifer“ nicht um einen Artgenossen, sondern beispielsweise um einen Menschen handelt. Dieser würde das Schnurren höchstwahrscheinlich missdeuten und weiter auf das bereits verängstigte Tier zugehen. Achte darauf, dass dein Lieblingstier beim Schnurren nicht angespannt ist. Ein gutes Zeichen ist zudem, wenn dein Vierbeiner genießerisch die Augen schließt. Jetzt kannst du davon ausgehen, dass er sich nicht bedroht fühlt.

Zur Orientierung:

Die Katzenmama hat ihre Sprösslinge gut im Griff. Liebevoll heißt sie die Neuankömmlinge auf der Welt willkommen. Die Welpen sind bei ihrer Geburt jedoch noch blind und taub, sodass sie sich mit der Orientierung äußerst schwer tun. Da sie ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren können, ist neben der Nahrungszufuhr die Wärme der Katzenmutter überlebenswichtig. Dafür bekommen sie von ihrer Mutter durch die vom Schnurren ausgelösten Vibrationen den Weg gezeigt.

Zur Begrüßung:

Ähnlich wie zur Beruhigung von Angreifern schwenken auch befreundete Tiere schnurrend die weiße Fahne. In diesem Fall fangen durchaus auch einmal dominantere Katzen das Schnurren an, um ihren Weggefährten Entwarnung zu geben. Das Schnurren kann aber insbesondere bei jungen Kätzchen neben der Begrüßung auch eine Aufforderung zum Spielen darstellen. Das heißt dann so viel wie „schön, dass du da bist, dann kannst du dich ja endlich mit mir beschäftigen.“

Katzen schnurren nicht nur, wenn es ihnen gut geht
Schnurren hat viele Bedeutungen

Zum Betteln:

Katzen lernen in ihrem Umgang mit Menschen auch viel von ihren zweibeinigen Gefährten. So erfahren sie durch Beobachtungen, dass Menschen durchaus darauf reagieren, wenn sie schnurren. Die meisten Katzenhalter reagieren erfreut, wenn ihre Lieblingstiere sie schnurrend begrüßen und so gibt es schon einmal eine extra Portion Leibspeise oder zusätzliche Streicheleinheiten. Es ist also kaum verwunderlich, wenn die Katze mit ihrer Fähigkeit zu schnurren hausieren geht – immer mit dem Gedanken, es könnte ja etwas dabei für sie herausspringen. Je öfter das klappt, desto häufiger nutzt die Samtpfote das sogenannte Bettel-Schnurren. Aber viele der Tiere haben noch mehr gelernt. So ist dem ein oder anderen Kätzchen aufgefallen, dass Menschen instinktiv auf Klagelaute reagieren, die im entfernten an Babygeschrei erinnern. Wissenschaftler haben entdeckt, dass Katzen diese Reaktion für sich nutzen und bestimmte Laute in ihr Schnurren integrieren („The cry embedded within the purr“ Centre for Mammal Vocal Communication Research 2009, University of Sussex in Brighton)

Schnurren als Heilmittel:

Vermutlich weniger um uns einen Gefallen zu erweisen, sondern vielmehr unbeabsichtigt, entfachen Katzen mit ihrem Schnurren auch bei uns Menschen heilende Kräfte. Vereinzelt nutzen Ärzte diesen Effekt sogar schon bei der Behandlung ihrer Patienten. Mit Brummtönen im Frequenzbereich des Katzenschnurrens konnte überwiegend bei älteren Patienten eine Verlangsamung des Knochenabbaus festgestellt werden.