Raubmilben bei Kaninchen – Cheyletiellose

Hat dein Kaninchen Milben? Es mag euch vielleicht etwas ekeln, aber prinzipiell ist eine geringe Population an Milben nichts Ungewöhnliches. Die Parasiten befinden sich naturgegeben im Stall, Gehege und in der Einstreu. Auch Raubmilben müssen dich per se nicht ängstigen. In geringem Ausmaß wenden sie sogar als Fressfeinde andere Milbenarten von deiner Fellnase ab. Also – alles in Ordnung? Leider nein, denn solltest du stellenweisen Haarausfall und Schuppenbildung an deinem Kaninchen bemerken, sind die Parasiten bereits in ihrer Population zu einer Bedrohung für dein Langohr herangewachsen.

Wenn sich Raubmilben vermehren, setzen sie deinem Kaninchen mitunter enorm zu. Sobald sich Juckreiz oder Haarausfall im Nacken und Zwischenschulterbereich deinem Liebling zu schaffen machen, musst du handeln.

Ein Befall mit Cheyletiellen kann direkt (von Tier zu Tier) oder indirekt (über Heu, Einstreu etc.) erfolgen und tritt vor allem in größeren Haltungen (Zoofachhandel, Zuchten, usw.) auf.

Abbild eines weißen Kaninchens
Schütze unsere kleinen Stupsnäschen vor Parasiten

Die Parasiten: Raubmilben (Cheyletiella parasitivorax)

Raubmilben oder Cheyletiella parasitivorax sind weißlich-grau, besitzen eine ovale Körperform mit zwei Auswüchsen, die sie als Sechseck erscheinen lassen und sind etwa einen halben Millimeter lang. Als Werkzeuge dienen den Milben Greifarme in Hakenform am Mund, mit denen sie sich im Fell und an der Haut festhalten. Im Gegensatz zu ihren blutsaugenden Verwandten ernähren sich Raubmilben vorwiegend von Hautsekreten und anderen harmlosen Hautbewohnern.

Das Milben-Weibchen webt ihre Eier in eine Art Kokon und „klebt“ sie schließlich mit einer fadenartigen Masse am Schaft der Fellhaare des Kaninchens fest. Jetzt hat die Nachkommenschaft etwa drei Wochen Zeit, zu einem erwachsenen Spinnentier (adulte Milben haben vier Beinpaare) heranzuwachsen. Cheyletiella parasitivorax bleiben während ihrer gesamten Entwicklungszeit auf einem Wirt, ohne ihn für Zwischenstadien zu verlassen. Apropos Zwischenstadien: Das Weibchen muss sich nach der Eiablage nicht mehr um ihren Nachwuchs kümmern. Die Hauttemperatur des Kaninchens reicht völlig aus, um das Milbenei zu bebrüten.

Nach geraumer Zeit schlüpft zunächst die noch sechsbeinige Larve, welche vor der Ausreifung aber zwei weitere Reifungsstadien als Nymphe durchlebt. In diesen Stadien sind die Milben noch nicht so robust wie im Erwachsenenalter. Außerhalb des Wirtes sterben Larven und Nymphen relativ schnell ab. Das ausgewachsene Milben-Weibchen kann hingegen bis zu zehn Tage ohne Nahrung überleben. Auch die Eier scheinen relativ resistent zu sein. Finnische Wissenschaftler erkannten in den 70er Jahren, dass Milbeneier, welche Wirtstiere durch Fellputzen verschluckten, unversehrt wieder ausgeschieden wurden (Bjarke T, Hellgren L, Orstadius / „Cheyletiella parasitivorax dermatitis in man“).

Kuschelhäschen als Haustier
Raubmilben können sich zu einer Zoonose ausbilden

Symptome bei Cheyletiellose – Raubmilben bei Kaninchen

Ein Befall mit Cheyletiellen stellt die häufigste Ektoparasitose des Kaninchens dar. Ein gesundes Kaninchen mit einem starken Immunsystem wird sich von diesen Plagegeistern aber nicht beeindrucken lassen und daher keine Symptome entwickeln.

Betroffen sind hingegen Kaninchen im fortgeschrittenen Alter oder mit einer bereits bestehenden Erkrankung. Auch stark gestresste Kaninchen (z.B. durch ein neues Tier in der Gruppe, Umzug, usw.) sind ein willkommener Wirt für Milben.

Wächst die Raubmilbenpopulation gefährlich an, zeigt das Kaninchen ganz typische Anzeichen eines Milbenbefalls. Cheyletiella parasitivorax lösen bei Kaninchen zunächst nur Haarausfall im Nacken und im Bereich zwischen den Schultern aus. Die Haut darunter sieht zunächst völlig unauffällig aus, bis sich mit der Zeit dicke, kleieartige Schuppenbeläge entwickeln. Bleibt die Krankheit länger unbehandelt, dehnt sich der Haarausfall über den gesamten Rücken bis hin zum Schwanzansatz aus. Starker Fellverlust an den genannten Stellen in Kombination mit großen, weißen Schuppen sind ein ganz klassisches Zeichen dieser Erkrankung!

Da die Hautbarriere des Kaninchens gestört ist, kann diese ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen. Durch klitzekleine Läsionen in der Oberhaut können Bakterien nun eindringen und es kommt zu sogenannten „Sekundärläsionen“. Jetzt ist Vorsicht geboten, denn kratzt sich dein Langohr an den betroffenen Stellen, bringt es über seine Pfötchen wiederum zusätzlich Keime in die Wunde und der Teufelskreis kann nur mehr durch eine rasche Therapie durchbrochen werden.

Selbst bei massivem Milben-Befall und ausgeprägter Schuppenbildung verläuft die Krankheit in der Regel mit mäßig ausgeprägtem Juckreiz. Sollte dein Kaninchen jedoch starken Juckreiz zeigen, müssen andere Erkrankungen wie Läuse, blutsaugende Milben, Ohrräude oder Allergien ausgeschlossen werden.

Milbennachweis

Bringe dein Kaninchen sofort zum Tierarzt, sobald du den Verdacht einer Krankheit hegst. Sofern es möglich ist, stelle dein Kaninchen immer mit einem Partner-Kaninchen beim Tierarzt vor! Das reduziert den Stress-Level enorm und beim Verdacht einer ansteckenden Krankheit kann der Tierarzt gleich das andere Tier unter die Lupe nehmen.

Der Tierarzt wird vor der Untersuchung ein ausführliches Anamnese-Gespräch über Haltungsform, Ernährung bzw. Futteraufnahme und Vorerkrankungen führen und sich nach dem Befinden der Partner-Tiere erkundigen, um den Auslöser der Erkrankung zu finden.

Anschließend erfolgt eine allgemeine klinische Untersuchung inkl. einer dermatologischen Untersuchung der betroffenen Stellen.

Für den direkten Nachweis des Milbenbefalles stehen ihm zwei Methoden zur Verfügung. Einerseits kann der Tierarzt mittels Klebestreifen eine „Abklatsch-Probe“ nehmen. Hier streift dein Tierarzt das Fell deines Lieblings auseinander, um am Haarschaft und der Haut vereinzelt Tiere aufzuklauben. Die Klebefolie dient ihm hier als Hilfestellung, denn die dort „gefangenen“ Parasiten lassen sich wiederum unter dem Mikroskop bestimmen. Bei einem negativen Test kann jedoch noch nicht ausgeschlossen werden, dass sich trotzdem Milben auf deiner Fellnase angesiedelt haben.

Die zweite Möglichkeit eines direkten Nachweises ist ein Hautgeschabsel. Bei dieser Methode wird mit einem Skalpell die oberste Hautschicht vorsichtig abgekratzt. Das gewonnene Material wird auf Objektträger aufgetragen und in einem Mikroskop durchgemustert. Die Wahrscheinlichkeit, die Plagegeister auf diese Art nachzuweisen, ist ein bisschen höher als bei der Abklatsch-Methode, dennoch lässt sich bei einem negativen Befund der Befall leider nicht ausschließen.

Als häufigste Differentialdiagnose für die Hautläsionen müssen Pilzbefall (Dermatophytose) und bakterielle Sekundärinfektionen ausgeschlossen werden.

Hier fühlen sich Milben wohl

Häufig sind Stresssituationen und ein geschwächtes Immunsystem schuld an einem vermehrten Milbenbefall. Doch woher kommt der Stress? Auch wenn wir es vielleicht nicht bemerken, so läuft in einem kleinen Kaninchenköpfchen mehr ab, als wir manchmal denken. Hat dein Lieblingstier einen Partner verloren? Muss es sich gerade an eine neue Gruppe gewöhnen? Gibt es Probleme im Revier? Hat dein Kaninchen zu wenig Platz? Kam ein Umzug dazwischen?

Ein schwieriger Umgang mit Artgenossen, Vorerkrankungen, übereifrige Zuneigung (ständiges Herumtragen) oder schlicht die falsche Haltung können bei Kaninchen zu Stress führen. Achte bei deinem Liebling auf folgende Aspekte – sie können eine Cheyletiellose begünstigen:

  • Wenig Platz und keine Versteckmöglichkeiten
  • Krankheiten, die das Immunsystem schwächen
  • Schlechte Hygiene
  • Fehlernährung
  • Einstreu oder Heu, welches eventuell schon bei der Anschaffung stark mit Milben belastet ist
  • Wechsel von Futter oder Einstreu
  • Umzug oder Vergesellschaftung
  • Falscher Umgang und Haltung

Wenn du dir unsicher bist, wie Kaninchen zu halten sind, frag deinen Tierarzt. Er steht dir gerne beratend zur Seite.

Geschecktes Kaninchen im Unterholz
Raubmilben bei Kaninchen

Raubmilben und Cheyletiellose: Behandlung und Prognose

Wenn du dein Kaninchen frühzeitig zum Tierarzt bringst, lassen sich Raubmilben gut behandeln und sind relativ schnell beseitigt. Ausgewählte Medikamente töten die Milben bei deinem Lieblingstier ab und die Symptome der Cheyletiellose sollten alsbald verschwinden.

Wichtig ist jedoch die Einhaltung der Anweisungen deines Tierarztes: Nicht nur das betroffene Kaninchen sollte in mehreren Zyklen mit Anti-Parasitika behandelt werden, sondern auch die Partner-Tiere! Selbst wenn die anderen Tiere derzeit keine Symptome aufweisen, kommt es sonst zu einer ständigen Re-Infektion des betroffenen Tieres!

Begleitend zur medikamentellen Behandlung ist es deine Aufgabe, für eine milbenfreie Umgebung zu sorgen. Reinige sowohl den Kaninchen-Käfig als auch die Umgebung, um einem erneuten Befall vorzubeugen. Prinzipiell ist die Prognose bei einem behandelten Kaninchen sehr gut – das Fell wächst an haarlosen Stellen wieder nach und auch die Rötungen verheilen mit der Zeit.

Raubmilben bei Kaninchen: Zoonose

Der Mensch ist nicht der bevorzugte Wirt von Cheyletiella parasitivorax. Trotzdem kann es vorkommen, dass sich Raubmilben mal „verlaufen“ und auch Menschen befallen. Dieser Fall kann bei einer hohen Bestandsdichte, z.B. bei Züchtern, beobachtet werden. Zum Glück sind alle Milben sehr wählerisch und bleiben nicht gerne und daher auch nicht lange auf anderen Lebewesen.

Beim Menschen nennt man eine durch Milben ausgelöste Erkrankung „Krätze“, „Skabies“ oder „Acarodermatitis“. In erster Linie sind hier aber Grabmilben („Sarkoptes“) dafür verantwortlich. Infizierst du dich bei deinem Kaninchen oder bei anderen Haustieren (auch Katzen und Hunde gelten als auserkorene Wirte der parasitären Raubmilben), wirst du eine Ansteckung durch Juckreiz, Papeln, Schuppen und/oder geröteten Stellen wahrnehmen.

In der Regel klingen die Symptome jedoch schnell wieder ab, da der Mensch als so genannter Fehlwirt für die Milben keine dauerhafte Bleibe bietet.