Katzenallergie

In etwa jedem sechsten deutschen Haushalt (Befragung 2009) leben Katzen und auch in Österreich und der Schweiz entspricht das dem Trend. Aber wie es so oft heißt, ist des einen Freud des anderen Leid. Es juckt und beißt und in schlimmen Fällen treibt sie Betroffene buchstäblich in den Wahnsinn: die Katzenallergie. Tierhaarallergien sind relativ weit verbreitet und stellen im deutschsprachigen Raum die dritthäufigste Allergieart nach Heuschnupfen bzw. Pollen- und Hausstauballergien dar. In sechzehn europäischen Ländern sind 9 % der Bevölkerung (ca. 30 Millionen) von einer Katzenallergie betroffen [Quelle: Grönlund H, Saarne T, Gafvelin G, van Hage M. – The major cat allergen, Fel d 1, in diagnosis and therapy.  Int Arch Allergy Immunol.  2010].

Ursache einer Katzenallergie

Was löst eine Katzenallergie aus? Ein weitverbreiteter Irrglaube hält sich hartnäckig in den Köpfen vieler Menschen. Sie glauben, dass die Haare einer Katze verantwortlich für allergische Reaktionen seien. Daher auch die falsch gebräuchliche Bezeichnung Katzenhaarallergie. Tatsächlich gehören zu den Auslösern aber allergene Proteine, die sich im Speichel, in der Tränenflüssigkeit, in Hautschuppen sowie im Blutserum und im Urin der Katzen befinden. Hauptallergen ist wiederum das so genannte „Fel d1“ (Felis domesticus lat. für Hauskatze).

Grund für den haarigen Irrtum ist die große Rolle der Katzenhaare in der Verbreitung der Allergene. Das Allergen heftet sich durch die intensive Körperpflege der Tiere gerne an Hautschuppen und Haare und nutzt diese schließlich als günstiges Transportmittel. So gelangt es per Anhalter überall in die Wohnung und durch die Kleidung in den Garten, den Bus, das Büro, die Schule – gelinde gesagt dorthin, wo es sensible Menschen ärgern kann. Und von da lässt es sich ungern wieder vertreiben. Katzenallergene sind auch dann noch in Wohnungen nachweisbar, wenn sich darin seit Jahren keine Katze mehr aufgehalten hat. Eine allergische Reaktion muss also nicht zwangsläufig nur bei Tierhaltung auftreten.

Symptome einer Katzenallergie

In nur wenigen Fällen schließen Allergiker bei Symptomen sofort auf eine Allergie gegen ihre Samtpfoten. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Überempfindlichkeit gegen die Fellnasen meist nur schleichend bemerkbar macht. Betroffene erliegen schließlich dem Trugschluss, dass es sich dabei um eine hartnäckige Erkältung handelt. Viele Symptome der Katzenallergie ähneln auch denen von grippalen Infekten oder Heuschnupfen: die Nase juckt und läuft, die Augen sind gerötet und gereizt und ein Kratzen in Hals und Rachen löst einen Hustenreiz aus.

Dabei ist eine Allergie bei weitem nicht so harmlos, wie leichte Symptome zunächst suggerieren können. Bei unbehandelten Fällen und einem tiefen Eindringen der Allergene in die Atemwege, können Asthmaanfälle auftreten. Der direkte Kontakt zu Katzen kann zudem Hautreaktionen verursachen. Eine äußerst unangenehme Reaktion zeigt sich zum Beispiel in der Nesselsucht. Neben einer Rötung der Haut entstehen dabei oft juckende Pusteln. Wird ein Allergiker von einer Katze gekratzt, kann sich auch an der Wunde eine allergische Reaktion bilden.

Katzenallergie
Wenn eine Allergie die Liebe zu Katzen stört.

Therapie oder Vermeidung?

Grundsätzlich haben Katzenliebhaber mit einer Allergie nur eine begrenzte Auswahl an Lösungen für ihr Dilemma. Die offensichtlichste und vernünftigste ist wohl, auf den Kontakt mit Katzen zu verzichten. Das stellt in den meisten Fällen aber eine zu große Hürde dar. Denn häufig wird eine Allergie erst dann entdeckt, wenn sich bereits ein Tier im Haushalt befindet. Jetzt heißt es mehrfach: das Beste daraus machen. Allergiker sollten jedoch bedenken, dass eine regelmäßige Reinigung der Kleidung und der Wohnräume durch Staubsaugen, regelmäßiges Lüften oder der Einsatz von Luftfiltern lediglich dazu beitragen kann, die Konzentration des Hauptallergens Fel d 1 zu minimieren. Bleibt die Katze unumstritten im Haushalt, ist das aber häufig die einzige Möglichkeit, die Symptome klein zu halten. Weitere Tipps zur Begrenzung der Katzenallergene sind: weniger Kontakt zur Katze, häufig Hände waschen, katzenfreie Räume schaffen, Katze nicht ins Bett lassen und glatte Böden statt Teppiche im Wohnraum zu bevorzugen.

Falls du betroffen bist, solltest du auf jeden Fall mit einem Arzt sprechen. Je nachdem wie schwer deine Symptome sind, kann er einschätzen, welche Therapie für dich geeignet ist. Auf keinen Fall solltest du deine Symptome aber klein reden oder ignorieren. Eine andauernde Konfrontation der Allergene ohne Behandlung kann unter anderem zu allergischem Asthma führen.

Bei akuten Allergiereaktionen besteht die Möglichkeit einer antiallergischen Medikation. Diese behandelt jedoch nur die Symptome, weniger jedoch die Ursache der Immunreaktion. Eine dauerhafte Behandlung ist bisher nur durch eine spezifische Immuntherapie – Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung genannt – möglich. Dabei entwickelt das Immunsystem durch Konfrontation mit biologisch hohen Allergendosen eine Toleranz gegenüber dem Allergen. Diese Therapie ist jedoch keine kurzfristige Lösung – Eine erfolgreiche Behandlung (im besten Fall eine vollständige Beschwerdefreiheit) dauert in der Regel 2 – 5 Jahren.

Welche Katzenrassen sind für Allergiker geeignet?

Zahlreiche Züchter bieten allergenfreie Tiere an. Doch was ist dran am heiligen Gral der Tierfreunde, eine Katzenrasse zu finden, die sich auch für Allergiker eignet? Es kursieren unterschiedliche Meinungen und Gerüchte darüber, welche Katzen für Allergiker besonders gut geeignet sind. Häufig dabei: die Nacktkatze (Sphynx). Da sich die Allergene aber nicht wie fälschlicherweise angenommen in den Katzenhaaren befinden, ist auch diese Rasse wissenschaftlich nicht als hypoallergen bestätigt. Weitere Rassekatzen, die für Allergiker als unbedenklich angepriesen werden, sind die Sibirische Katze, die Cornish Rex, die Balinese, die Javanese und die Orientalisch Kurzhaar.

Der Toxikologe Prof. Dr. Jeroen Buters nahm diese Behauptungen als Anlass für einen Allergentest bei Rassenkatzen im Vergleich zur Europäisch Kurzhaar [Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, ZAUM an der Technischen Universität & dem Helmholtz Zentrum München, Studie: „Allergenfreie Katzen für Katzenallergiker? Und es gibt sie doch!“ 2014]. Er und seine Arbeitsgruppe erkannten früh, dass sich das Merkmal allergenfrei oder -arm nicht auf bestimmte Rassen festmachen ließ. Vielmehr zeigte sich, dass sich im Prinzip zwischen den Rassen der Katzen überhaupt keine Regel einstellte.

Laut der Untersuchung sei die Anlage dafür, ob eine Katze viele oder wenige Allergene produziert, zwar genetisch festgelegt, jede Katze habe aber eine individuell starke Ausschüttung des Allergens Fel d1. Mit anderen Worten: während die eine Katze einer bestimmten Rasse eine Allergie auslöst, kann eine andere ohne weiteres von einem Allergiker gehalten werden. Ebenso ergab die Studie zu hypoallergenen Katzen, dass eine bestimmte Katze bei manchen Menschen eine Allergie verursacht, bei anderen aber wiederum keine Symptome auslöst. Diese Diskrepanz geht sogar so weit, dass sich die Allergenfreisetzung bei der Europäisch Kurzhaar von einem Tier zum nächsten um das 100fache unterscheiden kann.

Gibt es allergenfreie Katzen?

Als Resümee halten wir fest: Es gibt durchaus Katzen, die besser für Allergiker geeignet sind – diese sind jedoch bisher nicht an der Rasse erkennbar. Prof. Dr. Jeroen Buters und seine Arbeitsgruppe fanden heraus, dass sich vor allem das Geschlecht der Samtpfote auf die Anzahl der Allergene auswirkt. Weibliche Tiere besitzen im Allgemeinen weniger „Fel d1“-Proteine als ihre männlichen Kollegen. Eine Kastration wirkt sich bei den Katzen nicht aus, sehr wohl wiederum aber bei den Katern. Und bei denen gleich enorm: der Allergengehalt im Fell liegt bei einem kastrierten Kater rund bei der Hälfte.

In einem Allergikerhaushalt spricht also viel für eine Katzendame oder einen kastrierten Kater. Eine Garantie für ein beschwerdefreies Leben ist das aber noch lange nicht. Denn auch hier gibt es die berühmten Ausnahmen der Regel. Relativ eindeutig hingegen ist der Selbsttest. Streichle deine auserkorene Samtpfote und verbringe etwas Zeit mit ihr. Zeigen sich keine allergischen Reaktionen stehen die Zeichen gut, dass du dein neues Lieblingstier gefunden hast. Um sicher zu sein, kannst du nun noch bei deinem Arzt Allergietests, eine Blutuntersuchung oder einen Provokationstest durchführen lassen.