Katzen an Kleintiere gewöhnen

Katzen an neue Umgebungen zu gewöhnen ist häufig kein einfaches Unterfangen. Auch der Wunsch, zwei oder gar mehrere Katzen miteinander vertraut zu machen und sie zu vergesellschaften, ist oftmals leichter gesagt als getan. Aber Katze und Kleintier – kann das wirklich gut gehen? Wir geben dir nützliche Tipps, die dir bei deinem Vorhaben helfen, eine tierische Patchwork-Familie zu gründen.

Voraussetzungen

Bevor du dir Gedanken darüber machst, wie du es schaffst, Kleintier/e und Katze im gleichen Haushalt zu halten, überlege dir zunächst, ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Ein sehr großer Faktor ist beispielsweise das Alter. Je jünger die Tiere sind, desto höher stehen deine Chancen, sie erfolgreich zusammenzuführen. Der Grund ist schnell erklärt: Junge Katzen haben noch einen kleineren Erfahrungshorizont und weniger Erfahrung mit der Jagd auf Beutetiere. Sie befinden sich noch im Lernprozess. Deshalb ist es auch um ein Vielfaches wahrscheinlicher, dass deine kleine Fellnase die Anwesenheit eines Hamsters, eines Kaninchens oder anderer Kleintiere toleriert und sie nicht als potenzielle Beute betrachtet.

Ein weiterer Aspekt, auf den du leider keinen Einfluss hast, ist der Charakter deiner Katze. Eher ruhige und ausgeglichene Samtpfoten sind für die Zusammenführung sehr viel besser geeignet, als temperamentvolle Artgenossen mit einem ausgeprägten Jagdtrieb. Natürlich ist darauf zu achten, dass die Größe der beiden zusammenzuführenden Tiere nicht allzu sehr variiert. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Ein kleiner Zwerghamster wäre schon alleine wegen seiner geringen Größe kaum geeignet, ein potenzieller Mitbewohner deiner Katze zu werden. Anders würde es bei einem Riesenkaninchen aussehen, das das Gewicht einer durchschnittlichen Katze sogar noch übertreffen kann und deshalb als Beutetier für die Katze weniger in Frage kommt.

Vorbereitung

Die Konstellation deiner Tiere entspricht den beschriebenen Voraussetzungen und du willst eine Zusammenführung wagen? Führe die zukünftigen Mitbewohner zu Beginn an den Geruch des jeweilig anderen heran, bevor ein erstes Aufeinandertreffen arrangiert wird. Der Grund hierfür ist, dass sich die beiden Protagonisten so bereits ein bisschen aneinander gewöhnen können, ohne sich begegnet zu sein. Du kannst mit einem Leinentuch jeweils eine Duftprobe nehmen und diese den Tieren im Anschluss zum beschnuppern überlassen.

Da sich das Kleintier gegebenenfalls von dem Geruch der Katze verängstigt fühlt, solltest du auf jeden Fall langsam vorgehen. Um diesen Vorgang zu verstärken, kannst du zudem versuchen, eine positive Konditionierung der Gerüche zu erreichen. In der Praxis klappt das wie folgt: jedes Mal, wenn sich die Katze dem Tuch nähert und Interesse
zeigt, lobst du sie und belohnst deine kleine Fellnase mit einem Leckerli. Das prägt sich ein und hilft, den Geruch mit etwas Positivem zu assoziieren.

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Das erste Treffen

Nun ist die Zeit für ein erstes Aufeinandertreffen gekommen! Da die Sicherheit der beiden tierischen Teilnehmer im Vordergrund steht, lasse das Kleintier anfangs unbedingt in einem Käfig, in dem es vor Angriffen geschützt ist. So kann es das Geschehen beobachten und sich an die Umgebung gewöhnen, ohne einer Gefahr ausgesetzt zu sein. Der erste Teil ist geschafft – Wenn sich das Kleintier an Käfig und Umgebung gewöhnt hat, kann ein erstes Zusammentreffen mit der Katze stattfinden. Verlasse jedoch niemals den Raum. Du solltest deine Lieblinge immer im Blick haben und jederzeit eingreifen können. Denn auch wenn das Kleintier im Käfig vor Angriffen durch die Katze geschützt ist, wird das Geschehen möglicherweise als Gefahrensituation empfunden. Beginne erst mit wenigen Minuten des Kontakts und weite die Zeitspanne nach und nach aus.

Die Reaktion der beiden Tiere ist hier entscheidend. Bleibt dein kleiner Tiger ruhig? Zeigt er keinerlei Jagdverhalten? Läuft er vielleicht sogar neugierig auf das andere Tier zu? Falls deine Katze aggressiv reagiert oder gar versucht, das Kleintier durch die Käfiggitter mit der Pfote anzugreifen, brich dein Vorhaben sofort ab und versuche es gegebenenfalls am nächsten Tag noch einmal. Du solltest auch im Hinterkopf haben, dass die Situation für beide Tiere eine immense Stresssituation darstellt. Beide sollten sich sicher
fühlen.

Kleintier und Katze vis-à-vis im Raum

Vielleicht ist aber auch auf Anhieb alles gut gegangen und dein Lieblingstier zeigt keine Anzeichen von Jagdverhalten. In diesem Fall spricht nichts dagegen, einen Schritt weiter zu gehen. Du hältst deine Katze behutsam fest, während du das Kleintier frei im Zimmer herumlaufen lässt. Die Reaktionen der beiden Tiere ist hier wieder entscheidend: Bleibt dein kleiner Tiger ruhig, zeigt keinerlei Jagdverhalten und läuft vielleicht sogar neugierig auf das andere Tier zu? Wenn jetzt auch noch das kleinere, schwächere Tier locker bleibt und nicht versucht, voller Panik zu flüchten oder sich zu verstecken, war der erste Kontakt ein voller Erfolg für alle Beteiligten! Um das Erfolgsgefühl zu verstärken, kannst du hier wieder mit Leckerlis und anderen, kleinen Belohnungen arbeiten. Dein Lieblingstier weiß somit, dass es alles richtig gemacht hat und prägt es sich ein.

Du kannst dein Vorgehen nun in den nächsten Tagen und Wochen öfter wiederholen, um einen Gewöhnungseffekt zu erzielen. Doch selbst, wenn eine gewisse Routine eingekehrt ist und du dir eigentlich sicher bist, dass sich die beiden Mitbewohner tolerieren oder sich sogar angefreundet haben: Ganz wichtig ist, sie unter keinen Umständen allein und unbeaufsichtigt zu lassen. Du kannst dir nie vollkommen sicher sein, dass nicht doch früher oder später Instinkte zum Vorschein kommen, durch die das Kleintier verletzt werden kann.

Falls dein Vorhaben, Katze/n und Kleintier/e aneinander zu gewöhnen, nicht geklappt hat, musst du das akzeptieren. Außerdem ist es dann an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Wenn du unter keinen Umständen auf deine Lieblinge verzichten möchtest, hilft nur, sie in unterschiedlichen Zimmern zu halten. Falls deine Wohnung dafür zu klein ist, musst du entweder umziehen oder schweren Herzens ein neues Zuhause für eines der beiden suchen. Doch sollte es klappen, kann dir eines gewiss sein: Es gibt nichts schöneres als außergewöhnliche Tierfreundschaften. Übrigens, dein Tierarzt berät dich auch zu solchen Themen und kann dir bei der Gewöhnung Tipps geben.