Grauer Star (Katarakt) beim Hund

Hundeaugen verraten dir viel über die Gesundheit deines Vierbeiners

Der Begriff „Grauer Star“ (medizinisch: Katarakt) bezeichnet eine hellgraue Trübung der Linse im Auge. Doch was macht die Augenlinse? Ihre Aufgabe ist die Brechung der einfallenden Lichtstrahlen, damit ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht. Je stärker ausgeprägt die Katarakt beim Hund ist, also je nach Stärke der Trübung, können daher erkrankte Hunde schlechter sehen oder vollständig erblinden.

Die Farbe im Namen der Erkrankung ist leicht erklärt: das Ergebnis der Trübung. Aber auch der zweite Teil der Bezeichnung „Star“ hat eine spezielle Bedeutung. Der überlieferte Begriff stammt aus der Augenheilkunde des frühen Mittelalters. Er beschrieb den (starrenden) blinden Blick bei offenen Augen. Ebenso lässt sich die medizinische Bezeichnung vom Grauen Star ableiten. Im antiken Griechenland herrschte der Glaube vor, dass der graue Schleier eine milchige Flüssigkeit im Inneren des Auges sei. Dadurch konnte sich der Name Katarakt etablieren, der so viel wie „Wasserfall“ bedeutet.

Ursachen für den Grauen Star

Eine leichte Trübung der Augenlinse gehört zu den normalen Alterungsprozessen bei Tier und Mensch. Sie rührt von einer Verdichtung und Verhärtung der Linse, die quasi einer „Materialermüdung“ gleichkommt. Diese Alterserscheinung bezeichnet man auch als Nukleussklerose oder Catarakta senilis und führt gewöhnlich zu keiner Sehbeeinträchtigung. Da sie jedoch vom krankhaften grauen Star bei Tageslicht nicht ganz einfach zu unterscheiden ist, solltest du auch bei einem Seniorhund die Augen deines Lieblings bei Verdacht immer mal wieder untersuchen lassen. Der Tierarzt kann durch die Reaktion der Pupillen eine altersbedingte Linsenkernverdichtung erkennen und damit eine Katarakt beurteilen. Kann er eine Linsentrübung nicht revidieren, untersucht der Tierarzt das Auge mit einer so genannten Spaltlampe. Mit ihrer Hilfe erkennt er, welche Bereiche des Auges in welchem Ausmaß betroffen sind.

Häufig wird die krankhafte Linsentrübung in Verbindung mit Diabetes mellitus genannt (der Überschuss an Zucker im Körper lagert sich unter anderem in der Linse ab). Der Tierarzt spricht dann von einer metabolischen Katarakt. Das bedeutet, dass der Graue Star durch eine andere Grunderkrankung entstanden ist. Neben Diabetes werden, den auf Augen spezialisierten, Veterinärmedizinern am häufigsten angeborene (hereditäre) Katarakte vorgestellt. Es finden sich jedoch auch andere Ursachen, wie beispielsweise Entzündungen im Auge (Uveitis), eine Rückbildung (Progressive Retinaatrophie) der Netzhaut oder aber auch Fremdkörper und Verletzungen können für eine Erkrankung verantwortlich sein.

Bei der primären Katarakt trübt sich die Linse des Hundes, ohne dass eine andere Erkrankung vorliegt. Diese angeborene (kongenitale) beziehungsweise vererbte Form tritt sehr selten auf. Es gibt jedoch Rassen, die anfälliger für eine Erkrankung sind und bei denen sie auch häufig bereits in früheren Jahren auftritt (juvenile Katarakt). Zu ihnen gehören vor allem kleine Hunde: Westies, Cavalier King Charles Spaniel, Shi Tzu, Zwergschnauzer aber auch Afghane, Golden Retriever, Husky oder Labrador Retriever. Mit einem Gentest kannst du herausfinden, ob dein Lieblingstier Gefahr läuft zu erkranken.

Symptome beim Grauen Star

Es gehört nicht immer zum Krankheitsbild, dass beide Augen vom Grauen Star betroffen sind. Auch eine unterschiedliche Ausprägung je Auge ist möglich. Aber nicht nur die Erscheinungsform ist variabel, sondern auch der Verlauf. Die Spanne zwischen Beginn der Trübung und dem vollständigen Verlust der Sehleistung rankt zwischen ein, zwei Wochen bis hin zu Monaten und sogar Jahren.

Dabei entwickelt sich die Krankheit in sich voneinander unterscheidbaren Stadien. Zunächst zeigt sich die Trübung der Augenlinse in kleinen, bläulich-grauen Bereichen, die den Vierbeiner nur bedingt beeinträchtigen. In diesem Stadium 1 (Catarakta incipiens) sind etwa 10-15 % der Linse betroffen. Im nächsten Stadium kommt es weniger auf die Fläche der Trübung an, sondern hauptsächlich ob der Fundusreflex noch vorhanden ist (immature Katarakt). Erst wenn die Trübung zunimmt, sich langsam weiß färbt und schließlich die komplette Linse bedeckt (mature Katarakt), kann der Hund kaum noch etwas sehen und erblindet unter Umständen sogar komplett. Jetzt erst kommt häufig nach der Trübung das offensichtlichste Anzeichen einer Erkrankung zum Vorschein: der erkennbare Sehverlust beim Hund.

In diesem Zustand wirkt dein Lieblingstier durch seine Behinderung oftmals orientierungslos und wird langsamer. Vielleicht erkennst du auch eine neue „Macke“ deines Schützlings. Tiere gewöhnen sich an die Beeinträchtigung, weil es ja nicht von heute auf morgen passiert. Um nirgends dagegen zu laufen, streckt deine Fellnase nun die Vorderbeine aus beim Gehen und benutzt diese wie einen Gehstock. Da es deinem Hund schwerer fällt von A nach B zu gelangen, wird er sich unter Umständen auch in seinem Charakter ändern. Dein Hund erscheint nun ruhiger und unmotivierter.

Bei ersten Anzeichen zum Tierarzt

Bestimmt denkst du dir jetzt: „Klar! Sobald mein Lieblingstier gegen Schränke und Tische läuft, gehe ich mit ihm selbstverständlich zum Tierarzt“. Wie bei vielen Erkrankungen führt aber auch bei der Katarakt beim Hund eine frühe Diagnose zu besseren Therapiechancen und einem schmerzfreieren Verlauf. Schau also beim verführerischen Hundeblick gerne auch ohne Symptome einmal genauer hin. Das ist vor allem in den frühen Stadien wichtig, denn wie bereits angedeutet: Unsere Fellnasen können prima mit einem eingeschränkten Blickfeld umgehen. Hunde bedienen sich einfach ihrer anderen Sinne und meist belastet die langsame Erblindung deinen Vierbeiner erst, wenn beide Augen gleichermaßen und schon stark betroffen sind.

Zwar ist die Katarakt zunächst nicht schmerzhaft, jedoch kann sie Begleiterscheinungen mit sich bringen, die wiederum deinem Hund Schmerzen bereiten. Unter Umständen kann zum Beispiel die Linsenkapsel brüchig und porös werden – entwickelt sich die Katarakt weiter, löst sich die Linse gar gänzlich auf. Dadurch tritt Eiweiß in das innere Auge aus.

Augenprobleme beim Hund
Augenkrankheit: Katarakt beim Hund | Lieblingstier

Das so genannte Linseneiweiß führt durch die körpereigene Abwehr zu starken Entzündungen der Uvea, auch als Regenbogenhaut bekannt – einer so genannten linseninduzierten Uveitis (hypermature Katarakt).

Nicht weniger schmerzhaft für den betroffenen Hund ist die Folge einer Linsen-Loslösung im Auge (Linsenluxation), die sehr selten im Endstadium der Erkrankung auftreten kann. Weitaus häufiger ist die primäre Linsenluxation (erblich bedingt, z.B. beim Border Collie, Terrier, Shar Pei und Dackel). Die Ablösung der Linse führt zu einem erhöhten Augeninnendruck – mit anderen Worten zum Grünen Star (Glaukom). Beides, sowohl die Entzündung der Uveitis, wie auch die Linsenluxation, sind äußerst schmerzhaft und müssen unbedingt behandelt werden.

Behandlung einer Katarakt beim Hund

Wie kann der Graue Star behandelt werden? Leider gibt es keine medikamentelle Behandlung, eine bereits entstandene Trübung der Linse wieder rückgängig zu machen. Auch vorbeugende Maßnahmen gegen eine primäre Katarakt sind bisher nicht bekannt. Handelt es sich um ein sekundäres Leiden, wird der Tierarzt die Primärerkrankung behandeln und damit die Beschwerden des Hundes reduzieren. In der Regel sind Katarakt-Patienten wie bereits erwähnt Diabetiker oder leiden unter der hereditären Form. Aber wie kannst du deinen Hund bei Grauem Star vor Schmerzen bewahren?  In vielen Fällen wird vor einer OP ein konservativer Therapieversuch mit entzündungshemmenden Augentropfen versucht. Bleibt der Erfolg aus, bleibt bei der genetisch bedingten Katarakt und bei Diabetes nur die Operation am Auge.

Voruntersuchung bei Grauem Star

Angefangen mit einer Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) folgt die bereits erwähnte Spaltlampenuntersuchung. Da das Hundeauge vorrangig aus transparentem Gewebe besteht, leuchtet der Tierarzt mit einer speziellen Lampe ins Auge, um Aufschluss über Trübungen oder andere Schäden am Auge zu erhalten. Bei der folgenden Tonometrie misst der Tierarzt mit einem speziellen Druckmessgerät den Augeninnendruck, damit er ein Glaukom ausschließen kann (Druck muss unter 25 mmHg liegen und es darf nur ein geringer Druckunterschied (max.20%) in beiden Augen vorliegen). Schließlich folgt noch eine Ultraschalluntersuchung des betroffenen Auges. Erst mit ihr erkennt der Tierarzt den Zustand des Auges hinter der getrübten Linse.

Nach den Voruntersuchungen und einem Elektroretinogramm (ERG) der Netzhaut, (meist als prä-OP in Narkose) – testet den Funktionszustand der Nervenzellen im Auge – muss der Tierarzt mit dem Halter entscheiden, ob eine OP in Frage kommt. Neben allgemeinen präoperativen Bedenken (Ist der Hund narkosefähig?) lautet die wichtigste Frage sicherlich: Führt die Operation zu einer Wiederherstellung der Sehkraft oder zu einer Verbesserung des Sehvermögens? Bei vorgeschädigten Augen (z.B. durch Entzündungen) kann eine Operation unter Umständen nur zu einer Verbesserung und nicht zur Wiederherstellung der Sehkraft führen. Ist der Graue Star nicht durch eine OP behandelbar, musst du dich darauf einstellen, dass dein Lieblingstier lebenslang mit entzündungshemmenden Augentropfen behandelt werden muss, oder die Enukleation eine Alternative darstellt.

Wer zu bildhafter Vorstellung neigt und sich beim Gedanken an einen Eingriff am Auge ekelt, sollte kommenden Absatz überspringen.

Behandlung der Augenerkrankung

Zunächst wird das Auge mit verschiedenen Augentropfen behandelt, um die Entzündung in der OP schon vorher einzudämmen. Außerdem sollte man in der Vorbereitung den Hund schon an den Halskragen gewöhnen, den er nachher tragen muss. Um auch mittlerweile eingetretene Veränderungen z.B. Kornea-Defekte auszuschließen, ist es wichtig eine abschließende Untersuchung vorzunehmen. Jetzt wird das Auge mit Medikamenten vorbehandelt, um die Linse weit zu stellen.

Zur Vermeidung einer zweiten Narkose, kann bei unruhigen Hunden das ERG direkt vor den OP-Termin im narkotisierten Zustand des Hundes durchgeführt werden. Die OP selbst findet dann unter dem Operationsmikroskop statt. Der Tierarzt legt vom Augenwinkel aus, einen kleinen Schnitt an. Nun geht er mit einer Sonde in die Linse ein und das getrübte Linsenmaterial wird mittels Ultraschall (Phakoemulsifikation) zertrümmert. Anschließend kann er durch das bestehende Vakuum den Kapselsack vom Linsenmaterial absaugen und säubern.

Erst jetzt entscheidet der Tierarzt final, ob eine Implantation einer Kunstlinse ohne langfristige Komplikationen für den Hund möglich ist. Auch ohne der so genannten Intraokular-Linse ist dem tierischen Patienten durch die OP geholfen. Er ist weitsichtiger als mit Kunstlinse, kommt aber in der Regel gut damit zurecht. Abschließend wird die Augenvorderkammer gespült. Jetzt können Hornhaut und Haut mit einer feinen Naht verschlossen werden. Nach etwa zwei Wochen zieht der Tierarzt bei der ersten, der nun regelmäßig stattfindenden Kontrolluntersuchungen die Hautfäden. Im Gegensatz dazu lösen sich die Hornhautfäden selbst auf.

Mögliche postoperative Komplikationen:

  • Postoperative Hypertension – bis 3 Tage nach OP kann der Augendruck immens ansteigen
  • Glaukom – kann sich Monate bis Jahre nach der OP bilden, weil z.B. der Kammerwasser-Abfluss durch Entzündungsprodukte gestört wurde
  • Uveitis – Eine postoperative Entzündung ist die häufigste Komplikation bei dieser OP. Sie sollte sich aber mit der Zeit langsam zurückbilden
  • Nachstar – tritt vor allem bei den Hunderassen Bichon Frisé und Shih Tsu auf
  • Netzhaut-Ablösung

Die Katarakt beim Hund – Betreuung nach der Operation

Ob die Operation am Auge langfristig erfolgreich verläuft (die Erfolgsrate liegt etwa bei 75-90%), ist nicht nur von der Arbeit des Veterinärs und etwaigen Komplikationen abhängig. Eine besonders wichtige Rolle nimmt die Betreuung und die Fürsorge nach dem Eingriff ein. Vor allem die ersten zwei bis drei Wochen musst du auf deinen frisch operierten Schützling achtgeben. Das Hundeauge darf auf keinen Fall Stößen ausgesetzt werden. Daher ist es auch wichtig, dass du mit einem Partner/Freund zum OP-Termin kommst, sodass jemand bei der Rückfahrt vom Tierarzt auf den Patienten aufpassen und ihn ruhig halten kann.

Nimm dir am besten nach der OP von der Arbeit frei, um ganz für deine Fellnase da zu sein. Zudem braucht dein Lieblingstier jemanden, der ihm regelmäßig (im mehreren-Stunden Rhythmus) seine Augentropfen verabreicht. Achte auf eine stressfreie Umgebung, damit deine Fellnase keinen Grund findet zu Bellen und somit nichts das behandelte Auge erschüttert. Das bedeutet unter Umständen auch, dass du etwaige tierische Spielgefährten während der Heilungsphase von dem Patienten trennen musst.

Katarakt bei Hunden
Wenn der Hundeblick getrübt ist | Lieblingstier

Merke: Niemals darf ein an Katarakt erkranktes Auge unbehandelt bleiben! Je früher dein Tierarzt bei einem Grauen Star die Behandlung durchführt, desto besser ist die Heilungsaussicht und die Chance für deinen Liebling, wieder vollständig oder zumindest besser sehen zu können.