Hilfsprojekte im Kampf gegen Tollwut

Seit mehr als 4000 Jahren plagt die Tollwut die Menschheit. Nach einer Schätzung der WHO leiden und sterben derzeit jedes Jahr 59.000 Menschen an der erbarmungslosen Krankheit.

Was ist Tollwut?

Tollwut ist eine Krankheit, die sowohl Wild- als Haustiere wie auch Menschen treffen kann. Das kugelförmige Lyssavirus, welches für die Tollwut verantwortlich ist, ist so klein, dass sich 5550 Viruspartikel zu einem einzigen Regentropfen verbinden könnten. Kleine Biss- oder Kratz-Wunden eines infizierten Tieres, werden für den Menschen somit bereits zur tödlichen Gefahr. Dabei sind Hunde mit bis zu 99% aller Tollwutübertragungen die Hauptquelle bei der menschlichen Infektion. Sobald die ersten Symptome der Krankheit sichtbar sind, ist die Krankheit bereits soweit fortgeschritten, dass sie (bis auf sehr wenige Ausnahmen) bei Menschen und Tieren zum Tode führt.

In vielen Gegenden auf der Welt haben Aufklärungsmaßnahmen die Bevölkerung für die Krankheit sensibilisiert. Aber selbst in geschulten Gebieten ist das Wissen über die Krankheit nicht immer gewährleistet. Hättest du es gewusst? Ganz im Gegenteil zu der weit verbreiteten Annahme, müssen tollwütige Tiere nicht aggressiv sein. Es gibt auch eine so genannte „stille Wut“, bei der das infizierte Tier eher lethargisch und hilfsbedürftig wirkt.

Tollwut eine schlimme Krankheit
Tollwut ist tödlich

In den letzten Jahren konnten viele Erfolge im Kampf gegen Tollwut erzielt werden. Trotzdem verbreitet sich das Virus immer noch und führt im Minutentakt zu Neuinfektionen. Tollwut ist auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis präsent, wobei über 95% der menschlichen Todesfälle in den Regionen Asien und Afrika auftreten. In Europa war die nahezu vollständige Bekämpfung der Krankheit durch die Wildtier-Schluckimpfung in Ködern gelungen. Damit sich eine neue Ausbreitung nicht wiederholt, sind Halter und Reisende aus europäischen Ländern angehalten, ihre Haustiere zu impfen.

Um die tödliche Viruserkrankung endlich zu bezwingen, arbeiten Ehrenamtliche, Tierärzte und Helfer in der ganzen Welt im Kampf gegen die Verbreitung. Nachhaltige Massenimpfungen für Hunde und Aufklärungskampagnen zeigen erste großartige Ergebnisse. Wir stellen euch hier ein paar der erfolgreichsten Kampagnen und ihre Initiatoren vor.

Welt-Tollwut-Tag

Der 28. September ist Welt-Tollwut-Tag und ein Grund für Tierärzte, Industrie, NGOs und Regierungen sich zusammenzusetzen und gemeinsam gegen ein weltweites Problem vorzugehen: Tollwut! Neben dem Bewusstsein und der Aufklärung müssen sowohl logistisch wie auch finanziell Wege geschaffen werden, die es ermöglichen, die Krankheit auszurotten. Zudem soll der Tag Tierhalter und Ärzte daran erinnern, den Impfschutz ihrer Lieblinge aufrecht zu erhalten.

Ein weiteres Highlight am Welt-Tollwut-Tag ist die Verkündung der World Rabies Day Awards von der Global Alliance for Rabies Control. Veterinär-Studenten, engagierte Bürger und Tierschützer, die sich besonders verdient im Kampf gegen Tollwut gezeigt haben, erhalten diese anerkennende Auszeichnung.

Tollwutprävention kann Leben retten! Daher stehen viele Hilfsprojekte und Organisationen auch am Welt-Tollwut-Tag im Zeichen von „Zero By 30“ – aber dazu in einem gesonderten Abschnitt weiter unten mehr. Um zu Spenden oder dich anderweitig zu engagieren, besuche die Seite: World Rabies Day 2019

Afya – Ein Projekt mit Geschichte

Professor Sarah Cleaveland gründete 1996 Afya Serengenti („Gesundheit für Serengeti“ auf Suaheli) als Forschungsprojekt. Heute führt die Organisation in vorwiegend ländlichen Gebieten in Afrika und Indien einen aussichtsreichen Kampf gegen die Tollwut. Häufig sind die abgelegenen Gebiete besonders gefährdet, da der Zugang zu medizinischer Versorgung oder der Kenntnisstand der Bevölkerung fehlen. Zudem bedeuten hier Hunde meist mehr, als „nur“ vierbeinige familiäre Gefährten. Die Tiere sind Sicherheitspersonal, Schutz der Farmtiere vor Raubtieren, Jagdhelfer und vieles mehr. Insbesondere für Kinder ist daher eine Verhaltensänderung der Fellnase oft kein Grund zum Fernhalten.

Für Afya gibt es in diesen Regionen nur eine effektive Strategie gegen Tollwut: Die Impfung der Hunde. Das Projekt ist heute eine etablierte Tollwutbekämpfungsorganisation, die eine weit verbreitete Impfung von Haushunden in der Region Serengeti gewährleistet. Afya Serengeti stützt sich auf Sponsoren und Partner, um die Impfung von Hunden Jahr für Jahr fortzusetzen – mit dem Ziel, die Krankheit schließlich zu beseitigen.

 

Zu den Erfolgen des Projekts Afya Serengeti gehören:

  • >600 Fälle von Hundetollwut werden jedes Jahr verhindert
  • >20 Menschenleben werden jedes Jahr gerettet
  • Keine gemeldeten Tollwutausbrüche in Regionen, in denen 70% der Hunde geimpft wurden
  • Keine Tollwut bei wildlebenden Hunden im Serengeti-Nationalpark und im angrenzenden Ngorongoro-Distrikt
  • Die Population afrikanischer Wildhunde, die in den 90er Jahren aus dem Serengeti-Nationalpark verschwunden ist, ist jährlich um 17% gestiegen

Um dich weitergehend zu informieren, findest du hier die Homepage mit den Gesichtern hinter dem Projekt und Videos von den Aktionen: afya.org

Mission Rabies – Einsatz gegen die Tollwut!

Mission Rabies wurde 2013 als Projekt des Worldwide Veterinary Service gegründet. Ziel war die über Hundebisse übertragene Tollwut durch einen forschungsorientierten One-Health-Ansatz (gemeinsame Strategie, aus allen relevanten Branchen und Blickwinkeln zur Verbesserung der Gesundheit) zu beseitigen. Das Hilfsprojekt startete in Indien – dem weltweiten Hotspot für Tollwut. Rund ein Drittel aller gezählten Tollwutfälle bei Menschen sind hier zu verorten. Das bedeutet pro Stunde ein tragischer Tod eines Kindes unter 15 Jahren.

Kampf gegen Tollwut
Team von Misssion Rabies in Indien

Bereits 2013 wurde das ehrgeizige Ziel von 50.000 Impfungen bei Hunden in einem Monat weit überschritten. Weiter ging es mit Impfkampagnen in Goa, bis im Jahr 2015 Mission Rabies schließlich eine eigenständige Wohltätigkeitsorganisation wurde. Inzwischen arbeiten Freiwillige aus der ganzen Welt in 6 Ländern, um zu informieren, forschen, helfen und vorzusorgen. Und das mit Erfolg: Seit ihrer Gründung hat die Initiative Mission Rabies einen deutlichen Rückgang der Tollwut-Todesfälle bei Menschen in Goa beobachtet – von 17 Fällen im Jahr 2014, 5 im Jahr 2015 bis hin zu nur noch einem im Jahr 2016.

Zu den weiteren Erfolgen des Projekts Mission Rabies gehören:

  • Ausweitung der Bemühungen auf Indien, Malawi, Tansania, Sri Lanka, Thailand und Ghana
  • Mehr als 1 Million geimpfte Hunde
  • Mehr als 2,5 Millionen erreichte Kinder (Schulaufklärung o.ä.)
  • Über 2500 geschulte Tierärzte

Bei Mission Rabies werden immer wieder Helfer gesucht. Du kannst finanziell oder als Mitglied des Impfteams unterstützen. Sieh dir dazu die Homepage an: Mission Rabies

Zero by 30

Wusstest du, dass bereits eine 70%ige Impfrate in der Hundepopulation die Ausbreitung von Tollwut auf den Menschen stoppen kann? Deshalb hat der Verbund aus mehreren Organisationen, Instituten und Projekten „Zero by 30“ ein hehres Ziel: Das Ende menschlicher Todesfälle an durch Hunde verursachter Tollwut bis zum Jahr 2030.

Mit dabei sind die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Global Alliance for Rabies Control (GARC). Der globale Strategieplan sieht nicht nur Massenimpfungen an Hunden vor, sondern auch die Verbreitung von lebensrettenden Behandlungen, nachdem Menschen gebissen wurden. Für „Zero by 30“ ist dabei klar: Es ist möglich, den Krankheitszyklus zu durchbrechen und Leben zu retten.

Sharon Live On Project

Das Sharon Live On Project wurde zu Ehren von Sharon Jepchumba Korir gegründet, die gerade mal im Alter von 8 Jahren im Dezember 2004 von einem infizierten Hund gebissen wurde. Sie erhielt einen Impfstoff aus dem Krankenhaus in Eldoret in Kenia, aber der Impfstoff war abgelaufen und Sharon starb ein paar Wochen später. Seit 2011 versucht das Projekt, andere Kinder vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. Den Start machte ein Tollwutimpfprogramm mit dem Schwerpunkt auf Hunde, Katzen und Eseln im Nandi Central District of Kenya. Um dieses Projekt zum Erfolg zu führen, wurden Teams gebildet, die sowohl in den USA als auch in Kenia operieren und aktiv gegen Tollwut kämpfen.

Hier findest du weitere Informationen zum Projekt: Sharon Live On Project