Frag eine Tierärztin - Thema Diabetes mellitus bei Hund und Katze

Diabetes bei Hunden und Katzen

Die Tierärztin Janina Benner spricht im Interview über die Krankheit Diabetes mellitus bei Hund und Katze.

Hallo Janina, eigentlich kennen wir dich schon vom Zecken- und Impfbeitrag, aber kannst du dich vielleicht nochmal kurz vorstellen für alle, die dich noch nicht kennen?

Hallo, mein Name ist Janina Benner und ich bin seit mittlerweile 12 Jahren Tierärztin aus Leidenschaft. Ich bin in einem kleinen Dorf in Hessen aufgewachsen und es war schon immer mein Traum Tierärztin zu werden. 2014 habe ich mich in Mühlheim an der Ruhr mit der Tierarztpraxis Benner selbstständig gemacht und behandle hauptsächlich Kleintiere.

1. Was ist Diabetes eigentlich?

Mit dem Begriff Diabetes werden verschiedene Krankheiten bezeichnet, die mit einer Polyurie (gesteigerter Harndrang) einhergehen, aber ansonsten wenig gemeinsam haben.

Dazu zählen u.a. Diabetes insipidus und Diabetes mellitus. Diabetes mellitus (mellitus = honigsüß) ist eine Stoffwechselerkrankung, die auf Insulinresistenz oder Insulinmangel beruht und durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Deswegen spricht man auch von der Zuckerkrankheit. Sie ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen verbunden.

2. Welche Formen von Diabetes mellitus gibt es?

Es gibt zwei verschiedene Formen von Diabetes mellitus, Typ 1 und Typ 2.

Der Typ-1-Diabetes beruht auf einem Mangel an Insulin infolge einer Zerstörung der insulinproduzierenden Beta-Zellen in den Langerhans’schen Inseln des Pankreas (Bauchspeicheldrüse). Die Beta- Zellen können durch Antikörper zerstört werden, so dass sie kein Insulin mehr bilden können. Somit liegt ein Insulinmangel vor und Glucose kann nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden.

Der Typ-2-Diabetes beruht in erster Linie auf einem verminderten Ansprechen der Körperzellen auf Insulin. Eine zweite notwendige Voraussetzung ist eine Funktionseinschränkung der Beta- Zellen. Beide Faktoren allein würden noch keinen Diabetes verursachen, aber in der Kombination resultiert eine Störung der Glukose-Homöostase. Die Hauptursache einer herabgesetzten Insulinsensitivität ist die Abnahme der Insulinrezeptordichte und damit einhergehend eine geringere Bereitschaft der Zellen, Glukose aus dem Blut aufzunehmen.

Typ 1 und Typ 2 können auch kombiniert vorliegen.

3. Wie wird Diabetes mellitus ausgelöst?

Faktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel können Diabetes verursachen. Allen voran ist Diabetes jedoch auch genetisch veranlagt. Manche Rassen neigen mehr dazu an Diabetes zu erkranken. Oft spielen alle diese Faktoren zusammen. Adipöse Katzen haben ein vierfach größeres Risiko an Diabetes zu erkranken.

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4. Wie kann man Diabetes mellitus vorbeugen?

Am wichtigsten ist viel Bewegung. Es gibt eine Studie, dass vor allem bei Katzen durch viel Bewegung, Diabetes vorgebeugt werden kann. Es ist also sinnvoll mit seiner Katze viel zu spielen und verschiedene Spielzeuge auszuprobieren. Anstatt ihr die Leckerlis einfach so zu geben, soll sie sie suchen, dann hat sie gleich etwas Bewegung. Leckerlis nur in Maßen füttern, da bei Diabetes das richtige Körpergewicht eine große Rolle spielt.

5. Welchen Typ Diabetes mellitus haben Hunde und welchen Katzen?

Hunde haben meistens den Typ 1. Handelt es sich dabei um eine hormonabhängige Form der Diabetes, kann es bei Hündinnen durch eine Kastration geheilt werden. Bei unkastrierten Hündinnen wird Progesteron ausgeschüttet, ein Wachstumshormon und Insulinantagonist. Nach der Kastration wird Progesteron nicht mehr freigesetzt und somit kann Insulin wieder aufgenommen werden.

Die Kastration ist Mittel der Wahl bei Diabetes. Bei einigen Hündinnen sind aber zu wenig Beta- Zellen vorhanden, so dass auch nach einer Kastration noch Diabetes vorliegt. Katzen haben zu 80% Typ- 2- Diabetes. Meistens sind auch eher die Kater betroffen, da diese generell eine geringere Insulin Empfindlichkeit haben.

6. Wie sind die Symptome beim Hund und bei der Katze?

Die Symptome sind bei Hund und Katze vermehrter Harnabsatz, sie trinken viel, sie haben Heißhunger und verlieren trotzdem an Gewicht. Typisch für Diabetes ist ein adipöser Kater, der schnell an Gewicht verliert. Manche Besitzer erkennen diese Symptome nicht immer.

Vor allem bei Freigängerkatzen ist es schwierig. Wir raten jährlich mit dem Tier zur Vorsorge in die Tierarztpraxis zu kommen, und die Blutwerte untersuchen zu lassen. Bitte nicht erst dann kommen, wenn die Katze an der Hinterhand lahm ist oder mit der Ferse auftritt. Wird Diabetes nicht behandelt, kann es zu Katarakt kommen und infolgedessen zur Erblindung. Wohingegen die Durchtrittigkeit durch Insulin wieder aufgehoben werden kann, ist eine Erblindung irreversibel.

7. Wie wird Diabetes mellitus behandelt?

Durch die Gabe von Schweineinsulin. Das ist von der Zusammensetzung identisch mit dem Hundeinsulin. Bei Hunden spritzt man ein bis zweimal täglich, bei Katzen zweimal täglich.

8. Was kommt auf den Halter zu bei der weiteren Behandlung?

Wichtig ist einmal das richtige Futtermanagement. Es gibt ein spezielles Futter für Diabetiker, um auch das Übergewicht zu reduzieren. Ansonsten ist es wichtig täglich Insulin zu spritzen und den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu messen. Bei der Katze kann das etwas schwierig sein und viele Besitzer haben Angst davor.

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Es ist aber nötig, um die richtige Insulindosis einschätzen zu können. Dazu muss man die Werte in einem Blutzuckertagebuch protokollieren oder kann auch die App Pet Diabetes Tracker (Angeboten von Intervet International b.v.) verwenden, bei der die Werte direkt an den Tierarzt geschickt werden. Man misst nach dem Fressen und nach dem Spritzen von Insulin und kann am Verhältnis die optimale Dosis festlegen. Das Spritzen ist nicht schwer und wir üben das mit den Tierhaltern in der Praxis. Das sind hauchdünne Kanülen, die das Tier kaum bemerkt. Ein Insulinpen ist praktisch, weil gleich die richtige Dosierung eingestellt werden kann, ohne dass man Spritzen aufziehen muss.

Meistens funktioniert es gut mit dem Spritzen, wenn man die Tiere positiv konditioniert. So könnten sie nach dem Spritzen ein Leckerli, ihr Lieblingsspielzeug oder besondere Streicheleinheiten bekommen. Hund und Katze freuen sich dann auf das Spritzen und Warten teilweise schon drauf. Wenn die Compliance der Besitzer gut ist, funktioniert das super mit der Einstellung der richtigen Insulindosis.

9. Wie lange dauert es, bis Katze oder Hund eingestellt sind?

Das kann von einigen Wochen bis zu Monaten reichen und ist individuell vom Tier und Besitzer abhängig. Es ist enorm wichtig regelmäßig den Blutzucker zu messen, damit man an die richtige Dosierung kommt. Sollte es mit einem Tier gar nicht möglich sein, kann man auch ein Blutzuckermessgerät direkt am Tier befestigen, das eine Langzeitaufnahme macht.

10. Kann der Halter etwas tun, um den Erfolg der Behandlung zu unterstützen?  

Ganz wichtig sind mehr Bewegung und weniger Körpergewicht. Wird das Tier gerade mit Cortison behandelt, sollte man das absetzen. So kann eine ordentliche Behandlung erfolgen.

11. Wie ist der Therapieerfolg bei Diabetes mellitus?

Wird Diabetes mellitus früh erkannt und ist das Tier richtig eingestellt, kann es ein ganz normales und langes Leben führen. Wird Diabetes erst in einem späteren Stadium diagnostiziert und ist der Schaden schon da, ist es schwieriger mit der weiteren Behandlung. Deswegen empfehle ich jedem Tierhalter einmal im Jahr zur Kontrolle der Blutwerte mit seinem Tier in die Tierarztpraxis zu gehen.

Janina Benner
Tierärztin Janina Benner
wuide goas

Das Interview führte Wuide Goas – dein Tiermedizin Blog & Podcast.
In ihrem Blog beweist Daniela in zahlreichen Interviews und Erfahrungsberichten Herz & Verstand für die Veterinärmedizin. Ihre wöchentlich erscheinenden Beiträge handeln vom Alltag in Tierarztpraxen, dem Studium, der Veterinärmedizin im Allgemeinen und der Forschung für die Tiermedizin.