Feline Leukämie (FeLV, Katzenleukose)

Das Feline Leukemia Virus/ FeLV entwickelte sich, wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge, vor mehr als 10 Millionen Jahren aus einem Rattenvirus in Nordafrika. Die Vorfahren unserer Hauskatzen steckten sich damals mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Verzehr infizierter Beutetiere oder durch Abwehrbisse erkrankter Ratten an. Erst in den Sechzigerjahren entdeckten schließlich Tiermediziner das Virus auch bei Hauskatzen. Sie fanden heraus, dass es einen Zusammenhang des Leukemia Virus mit Lymphknotenkrebs bei Katzen gibt.

Durch lebensbedrohliche Symptome, wie extreme Immunschwächung und Krebserkrankungen, galt eine Infektion mit FeLV oder auch Katzenleukose über Jahrzehnte hinweg als zentralste ansteckende Todesursache bei Katzen. Medizinische Anstrengungen – wie Tests und Impfungen – verringerten seit der Jahrtausendwende schließlich die Ansteckungsrate. Nichtsdestotrotz gilt FeLV noch heute neben FIP (Feline Infektiöse Peritonitis) weltweit zur häufigsten tödlichen Infektionskrankheit bei unseren liebgewonnenen Vierbeinern. Und auch wenn bestimmte Katzenpopulationen ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen, betrifft das Virus auch Wohnungskatzen, Freigänger, Straßenkatzen und Katzen in Tierheimen jeglichen Alters.

FeVL Viren - Katzenleukämie
FeLV Viren – tödlicher Feind! Schütze deine Katze | Lieblingstier

Das Feline Leukemia Virus (FeLV)

Das FeLV gehört zusammen mit dem FIV (Feline Immundefizienz-Virus) zur Familie der Retroviren. Retroviren wiederum sind uns vor allem aufgrund ihres berüchtigtsten Vertreters innerhalb der Humanmedizin bekannt: dem HIV (humane Immundefizienz-Virus). Die viralen Krankheitserreger zeichnen sich durch die Nutzung des viruseigenen Enzyms „Reverse Transkriptase“ aus, das auch namensgebend für die Virusfamilie ist (Reverse Transkriptase Onkoviren).

Im übertragenen Sinne könnte man von einer „Umschreibung“ der Infektionsträger-DNS durch die Viren sprechen. Retroviren bauen eigene genetische Informationen in infizierte Zellen ein und jede Zellteilung multipliziert den Vorgang entsprechend. Ab diesem Zeitpunkt ist der Eingriff des Virus in die Erbinformation des erkrankten Tiers vollbracht. Das Virus sichert sich mit dieser Taktik sein Überleben im Wirt und wird zudem an die kommenden Zellgenerationen weitergegeben.

Bei einer Infektion kann einzig und allein die körpereigene Abwehr eine Ausbreitung verhindern. Behauptet sich das Immunsystem gegen den viralen Eindringling, bleibt eine Katze ihr Leben lang vor einer Neuinfektion geschützt. Diese wenigen glücklichen Samtpfoten werden auch Regressor-Katzen genannt. Kaum Aussichten auf Erfolg hat das feline Immunsystem jedoch, wenn sich das Virus an die blutbildenden Zellen im Knochenmark heftet. In dieser Situation sind die Heilungschancen des armen Katzenpatienten äußerst gering.

FeLV – Untergruppe A

Das Feline Leukemia Virus kann in verschiedene Untergruppen (A, B und C) unterteilt werden. Ein Risiko für Artgenossen besteht lediglich von der Untergruppe A – sie ist hoch ansteckend. Die anderen Varianten entstehen erst nach der Infektion im Körper der Katze und sind Kombinationen aus dem viralen Angriff der Untergruppe A und körpereigenen Reaktionen.

Im gesunden Zustand sind zum Beispiel Onkogene für Wachstum, Reifung und Teilung einer Zelle verantwortlich. Der Eingriff des Virus in die Erbinformation führt zu einer Störung in den Genen. Woraufhin sie unter Umständen unkontrolliertes Wachstum der Zellen auslösen: Krebs bildet sich.

Die größte Gefahr bei der Katzenleukose geht jedoch mit der Schwächung des Immunsystems einher. Warum genau das Virus die Körperabwehr unserer Schmusetiger beeinträchtigt, ist noch nicht vollends erforscht. Katzenkenner nehmen an, dass die Zellkommunikation innerhalb der Abwehrmechanismen nicht mehr rund läuft und die Störung das Immunsystem lahmlegt. Die Folge: Infizierte Katzen können nur schwer Sekundärinfektionen abwehren. Parasiten Toxoplasmose, Viren (z.B. Felines Herpesvirus), Bakterien (z.B. Feline Chlamydiose) wie auch Pilzen, werden Tür und Tor geöffnet. Die Katzenleukose ist somit Basis für andere, oft tödlich verlaufende Erkrankungen. Es gibt zwar kein Medikament, welches das FeLV eliminiert, doch eine Infektion ist nicht aus Prinzip ein Todesurteil! Bei entsprechender Behandlung der Symptome und der Sekundärinfektionen kann die Katze noch lange leben.

Symptome und Diagnose des FeLV

Eine ganze Reihe klinischer Symptome, die zunächst nicht immer gleich gut zuzuordnen sind, können dem FeLV zugeschrieben werden. Es können aber auch andere Erkrankungen wie FIP, FIV oder FIA (Feline Infektiöse Anämie) für schlechte Abwehrkräfte verantwortlich sein, daher ist von einer Eigendiagnose abzuraten. Erst ein Tierarzt kann Klarheit schaffen und die richtige Behandlung anordnen.

Zahnfleischentzündungen, schlechte Wundheilung, Regenbogenhautentzündung, Ohrentzündungen sowie ein allgemeines ungepflegtes optisches Bild lassen sich charakteristisch einer Immunschwäche zuweisen. Häufig sind erkrankte Katzen zudem allgemein abgeschlagen, haben Fieber, mattes Fell und magern aufgrund von Appetitlosigkeit schnell ab. Man sieht ihnen ihr Unwohlsein an.

Weitere mögliche Krankheitsbilder sind:

  • blasse Schleimhäute
  • Husten, Niesen, Schweratmigkeit
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Verstopfung
  • Immunsuppression und Blutarmut (Anämie)
  • chronische Entzündungen des Darms und der Nieren
  • Wucherungen an inneren Organen
  • Symptome von sekundären FeLV-bedingten Krankheiten – z.B. Herpesviren, Toxoplasmen, Kryptokokken u.a.
  • Lahmheit oder Verhaltensänderungen
  • Krebs: Lymphosarkom, Fibrosarkom, Leukämie
  • Totgeburten bei trächtigen Katzen

Aufgrund der Vielseitigkeit der Symptome dauert eine profunde Diagnose unter Umständen etwas länger. Zunächst einmal müssen mögliche Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden.

Der erste Behandlungsschritt vom Tierarzt erfolgt zunächst durch die Befragung des Besitzers (Anamnese). Wichtige Anhaltspunkte sind das Alter, Kontakte zu Artgenossen, Impfstatus und Wohnsituation des Tiers. Kann der Tierarzt keine Katzenleukose ausschließen, soll die folgende klinische Untersuchung Aufschluss bringen. Fiebermessen, Kontrolle der Schleimhäute, Atemfrequenz – all das bringt Gewissheit über den Krankheitszustand der Katze.

Erst wenn der Tierarzt einen stabilen Kreislauf und Allgemeinzustand feststellt, beginnt er mit der Blutabnahme für den direkten Beweis von Leukemia Viren im Blutkreislauf der Katze. Fällt der Test negativ aus, kann leider noch keine Entwarnung gegeben werden. Womöglich befindet sich das Virus nämlich zum Beispiel versteckt im Knochenmark. Um in diesen Fällen eine Fehldiagnose auszuschließen, kann die PCR-Methode (Polymerase Kettenreaktion) eingesetzt werden. Sie weist die DNS des Virus nach.

Die Infektion mit Katzenleukose

Das Virus tritt über den Nasen-Rachen-Raum ein und vermehrt sich dort zum ersten Mal. Über die Lymphozyten oder Monozyten verteilt sich der Erreger schließlich im ganzen Körper. Im Knochenmark angekommen, lässt es sich das Virus erst einmal richtig gut gehen. Die optimalen Bedingungen vor Ort führen zu einem immensen Anstieg der Viruspopulation. Als Folge daraus führt eine Ausschwemmung ins Blut zu einer Virämie und das Virus findet unter passenden Umständen seinen Weg aus dem Katzenkörper und zu einem neuen Wirtstier.

Es ist ein kleiner Trost, dass gesunde erwachsene Katzen gut in der Lage sind, das Virus in Schach zu halten. Von der Ansteckung bis zu einem eventuellen Ausbruch der Krankheit können bisweilen Jahre vergehen. Gut abgeschottet, „versteckt“ sich das Virus dann in von ihm auserkorenen Gewebezellen. Regressor-Katzen bilden nur eine kleine Minderheit.

In der „stillen“ Phase – in der eine FeLV-positive Katze noch gesund erscheint – verbreitet sie jedoch das Virus womöglich bereits an Artgenossen weiter. Infizierte Katzen übertragen die Krankheit über ihren Speichel oder scheiden das Virus über Kot und Urin aus. In der Regel braucht es dafür einen engen Kontakt unter den Katzen. Und auch wenn das Virus außerhalb des Katzenkörpers rasch abstirbt, bleibt ein Risiko zum Beispiel in größeren Katzenpopulationen oder bei Freigängern. Hauptübertragungsweg stellt der Kontakt mit Speichel dar; zum Beispiel bei engem Kontakt der Katzen bei der Fellpflege und dem gegenseitigem Putzen, eine indirekte Ansteckung über Wasser- und Futternäpfe kommt bei hoher Katzendichte auch vor.

Die Erkrankung der lieben Katzen

Daher wird die Katzenleukose auch als die Erkrankung der „lieben Katzen“ bezeichnet. Leider trifft das besonders auf jüngere Katzen bis zu zwei Jahren oder alte geschwächte Katzen zu.

FeLV - gefährliche Katzenkrankheit
Kitten trifft es besonders hart | Lieblingstier

Der Zustand eines scheinbar gesunden Tiers kann sich rasch ändern: Stress, Trächtigkeit oder eine andere Krankheit schwächen die Abwehrkräfte und gelten somit als Auslöser. Die Viren können sich vermehren und führen schließlich zum Ausbruch der Erkrankung. Tragischerweise kann das Virus in der endogenen Form auch von der Katzenmutter auf ihre ungeborenen Babys übertragen werden. Stecken sich die Kleinen nicht im Mutterbauch an, riskieren die Katzenwelpen immer noch eine Infektion beim Milchsaugen.

Das Risiko einer Erkrankung mit FeLV

Bei intensiver Pflege und ausreichender Betreuung durch einen Tierarzt können infizierte Katzen lang und gut leben. Wie bereits erwähnt, ist zwar die Krankheit selbst nicht heilbar, aber zumindest die Symptome sind behandelbar. Wenn du dir die Auslöser ansiehst, ist es daher auch kaum verwunderlich, dass allein gehaltene Wohnungskatzen mit einer Infektion am besten zurechtkommen. Mehrere Katzen im Haushalt können immer wieder Stresssituationen auslösen und Freigänger sind natürlich besonders gefährdet. Neben unzähligen Stressoren können bei ihnen schnell andere Erreger zu einer Minderung der Abwehrkräfte führen und somit einen Krankheitsausbruch begünstigen.

Diese Überlegung lässt sich auch auf das Risiko einer Ansteckung von gesunden Katzen übertragen. Die größte Gefahr geht von unzähligen Ansteckungsherden außerhalb des Wohnraums aus. Und wo können die meisten Risiken verortet werden? Genau, in großen Katzenpopulationen, bei schlechter medizinischer Versorgung oder bei freiem Zugang zu infizierten Artgenossen.

Die Risikogruppen sind:

  • Freigänger und Katzen, die ein Außengehege haben
  • mehrere Katzen in einem Haushalt
  • Katzen in Katzenpensionen und Tierheimen
  • Katzen mit unbekannter Vorgeschichte
  • kampflustige Katzen

Wenn auch dein Lieblingstier zur Risikogruppe zählt, raten wir dir vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Dein Tierarzt berät dich gerne.

Die FeLV-Behandlung und -Impfung

Auch wenn es noch kein Heilmittel für FeLV gibt, lässt sich die Überlebenszeit des tierischen Patienten durch medizinische Betreuung verlängern und eine Verbesserung des Allgemeinbefindens erreichen. Virusinfektionen stellen in der Behandlung von Katzen, ebenso wie bei Menschen, ein komplexes medizinisches Forschungsthema dar. Es ist zwar inzwischen medikamentös möglich, die Vermehrung des Virus (Virussynthese) zu reduzieren, jedoch existieren kaum „Virus abtötende“ Arzneimittel. So wie beispielsweise bestimmte Antibiotika bei bakteriellen Infekten wirken. Daher ist es so wichtig, dass die Krankheit erst gar keinen Weg zu deinem Lieblingstier findet.

Zur Bekämpfung der Katzenleukose werden FeLV-Tests und FeLV-Impfungen eingesetzt. Zunächst soll ein Labortest Klarheit über den Gesundheitszustand der Katze liefern. In der Regel liegt danach bereits in nur wenigen Minuten ein Ergebnis vor. Sofern sich der Schmusetiger noch nicht angesteckt hat, steht schließlich auch einer Impfung nichts mehr im Wege.

Eine Grundimmunisierung besteht aus einer Impfung im Alter von 8-9 Lebenswochen, gefolgt von einer zweiten Impfung im Abstand von 3-4 Wochen. Um die Immunität aufrecht zu erhalten braucht dein Liebling aber regelmäßige Wiederholungsimpfungen. Am besten du erstellst gemeinsam mit deinem Tierarzt einen Impfplan für deine Mieze.
Merke: Impfen schützt nicht nur dein Lieblingstier, sondern auch viele weitere liebenswerte Katzen vor einer tödlichen Infektion.