Erste Hilfe am Hund

Die Führerscheinprüfung ist schon lange her? Der Vorsatz, den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen, musste hinten anstehen? Zumindest haben wir fast alle schon einmal einen Erste-Hilfe-Kurs belegt. Aber können wir auch bei verletzten oder kranken Vierbeinern helfen? Wenigstens jeder Hundebesitzer sollte die Erste Hilfe beim Hund beherrschen. Es gibt Situationen, mit denen sich kein Tierhalter gern konfrontiert sehen möchte, umso besser aber, wenn er für den Notfall geschult ist. In den folgenden Abschnitten bieten wir dir einen kleinen Überblick über Sofortmaßnahmen im Notfall. Neben theoretischem Basiswissen solltest du aber auch praktisch die Notfallsituation üben. Fast jeder größere Ort bietet spezielle Lehrgänge, um die erforderlichen Techniken und Handgriffe zu erlernen.

Abgesehen von der Ersthilfe hat bei den Sofortmaßnahmen an Tieren der Selbstschutz bzw. der Schutz der beteiligten Personen oberste Priorität. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Tiere mit Schmerzen oder unter Schock aggressiv auf Annäherungen und Berührungen reagieren. Vorsicht, auch dein Lieblingstier ändert in Paniksituationen sein Verhalten. Nähere dich einem verletzten Tier immer langsam und vorsichtig.

Überprüfe die Atmung deines Lieblingstiers

Leider müssen wir in Extremsituationen auch immer mit dem Schlimmsten rechnen. Sollte sich dein Lieblingstier nicht mehr bewegen, müssen zu aller erst die Atemwege überprüft werden. Hebt und senkt sich der Brustkorb? Ein Glück, das Tier atmet. Wenn du keine Bewegungen des Brustkorbs mehr erkennen kannst, bietet dir der Spiegeltest Aufschluss über den Zustand deines Vierbeiners. Vielleicht kennst du den Test bereits in Bezug auf Menschen: Halte einen Taschenspiegel vor die Schnauze und die Nase deines Hundes. Beschlägt er nicht (keine Atmung), lege dein Ohr auf die Brust deines Hundes und höre auf Herzschläge. Sind noch schwache Reaktionen spürbar, musst du umgehend die künstliche Beatmung einleiten.

Hierfür öffne zunächst das Maul deines Tieres und schaue, ob sich eventuell Fremdkörper im Rachen befinden. Es könnte sich Blut oder erbrochenes Futter im Rachenraum angesammelt haben und die Atmung blockieren. Stecke, wenn nötig, ein um zwei Finger gewickeltes Taschentuch in den Mund deines Lieblingstiers und entferne die Blockade. Schließe anschließend den Mund deines Tieres und hole tief Luft. Jetzt presse deine Lippen um die Nase des Hundes und atme aus. Wichtig dabei ist, dass sich der Brustkorb wieder anfängt zu heben – diese Prozedur muss sechsmal pro Minute wiederholt werden. Achtung, wenn das Herz nicht mehr schlägt, sofort weiter mit Herzmassage (s.u.)

Herzmassage

Kannst du weder einen Puls noch einen Herzschlag wahrnehmen, musst du mit der äußeren Herzmassage einen Wiederbelebungsversuch starten. Das geschieht stets in Kombination mit der künstlichen Beatmung, da in solchen Situationen dein Haustier auch nicht mehr atmet. Prima wäre es also, wenn du jemanden finden könntest, der dir hilft. Um zu beginnen, muss der Hund auf festem Untergrund liegen (keine Matratze). Lege deinen Vierbeiner auf seine rechte Seite und ermittle die Position des Herzens.

Dafür knie dich vor seine Brust zwischen Vorder- und Hinterbeine und setze deinen linken Handballen einige Zentimeter hinter dem Ellbogen an. Nimm deine rechte Hand und lege sie schräg auf deine Linke und drücke anschließend in kurzen Stößen pumpend auf den Brustkorb (etwa 1 Mal in der Sekunde). Wenn dir jemand zur Seite steht, übernimmt einer die Beatmung und einer die Herzmassage. Es gilt: 10 – 15 Mal Herzmassage, 2 – 3 Mal Beatmen. Hast du keine Hilfe, sorge dafür, dass der Kopf deines Lieblingstiers gestreckt ist, öffne sein Maul und ziehe die Zunge weit vor. Wenn das Herz wieder schlägt, musst du deinen Vierbeiner weiterhin gut beobachten. Es kann auch sein, dass er trotz Herzschlag weiterhin bewusstlos bleibt. Verliere am besten keine Zeit und fahre mit ihm in die Tierklinik.

Sonderfall: Erstickungsgefahr

Wenn ein Fremdkörper die Atemwege blockiert, der Hund aber noch bei Bewusstsein ist, müssen die lebensgefährdenden Ursachen sofort aus den Atemwegen entfernt werden. Ist dein Lieblingstier ein kleiner Hund, kannst du ihn an den Hinterbeinen hochheben und seinen Kopf hin und her schwingen lassen, bis sich die Blockade löst. Ist dein vierbeiniger Freund etwas größer, fasse ihn zwischen Brustkorb und Bauch und hebe ihn so hoch, dass der Kopf nach unten hängt. Nutze sein Gewicht und lass ihn ruckartig nach unten – natürlich ohne ihn dabei gänzlich fallen zu lassen.

Bei Röchel- und Würgegeräuschen muss es sich aber nicht zwangsläufig um einen Fremdkörper im Rachen handeln. Auch eine Schwellung wäre denkbar. Besteht die Gefahr, dass zum Beispiel ein Insektenstich am Luftschnappen schuld ist, solltest du sofort versuchen, die Halspartie zu kühlen. Kannst du bei der Inspektion der Atemwege einen Stachel (zum Beispiel von einer Biene) entdecken, solltest du diesen mit Hilfe einer Pinzette versuchen zu entfernen. Zusätzlich zur Halskühlung von außen, kannst du testen, ob dein Hund sich über Eis zum Abklingen der Schwellung im Rachenraum freut.

Achtung: Erstickungsgefahr!
Spielzeuge von Kindern können für euren Liebling gefährlich werden!

Hilfe, der Hund blutet!

Kleinere Wunden schließen sich gewöhnlich innerhalb von fünf Minuten durch die Blutgerinnung von selbst. Hört eine Wunde nicht auf zu bluten, oder ist sie sehr großflächig, solltest du unbedingt die Blutung stillen, bevor du dich mit deinem Lieblingstier schnellstmöglich auf den Weg zum Tierarzt machst. Hast du schon einmal einen Druckverband angelegt? Eigentlich unterscheidet sich das Vorgehen hier nicht sonderlich von der Erstversorgung bei Menschen. Drücke eine Mullbinde an die verletzte Stelle und umwickele sie mit einer, wenn möglich, elastischen Binde – in einem unterscheiden sich Tiere nämlich doch von Menschen, du kannst sie nicht auffordern still zu liegen.

Bei schwierigen Stellen kannst du auch versuchen etwas Gaze (Mullbinde) auf die Wunde zu drücken – diese sollte dann spätestens nach ein paar Minuten die Blutung stillen. Sollte dies nicht der Fall sein, musst du (wenn möglich) die Wunde abbinden. Hat sich dein Hund zum Beispiel an der Pfote verletzt, solltest du darauf achten, den verletzten Part nicht am Gelenk abzubinden. Löse die Binde jede Viertel- bis halbe Stunde, um einen Blutstau zu verhindern. In schlimmen Fällen kann der Staudruck zu Giftstoffen im Gewebe und zum Absterben der Gliedmaße führen. Sobald die Blutung gestoppt ist, kannst du mit deinem Lieblingstier auch zum Tierarzt gehen.

Dein Hund steht unter Schock

Jedes verunglückte Tier kann unter einem Schock leiden. Oft bemerken wir die Anzeichen aber erst viel später und dann kann es schon lebensbedrohlich sein. Hat dein Hund eine Stresssituation erlebt, bei der er mit einem Schock reagieren könnte? Achte auf folgende Symptome: Depressionen, keine oder verspätete Reaktionen, Hyperventilation und beschleunigtes Herzklopfen oder aber Untertemperatur. Beim Fiebermessen solltest du wissen, dass unter 36°C bereits eine kritische Untertemperatur bei Hunden darstellt (Bei über 40,5°C hat das Tier Fieber).

Da sich bei einem Schock die Füllzeit der Kapillaren verlangsamt (niedriger Blutdruck sorgt für schlechtere Durchblutung der Gefäße), kannst du einen Schock auch mit dem Zahnfleischdrucktest erkennen. Drücke mit einem Finger gegen das Zahnfleisch deines Lieblingstiers. Wenn du den Druck nachlässt, sollte die Stelle binnen zwei Sekunden wieder durchblutet sein. Bleibt die Druckstelle weiß, musst du von einem Schock ausgehen und solltest mit deinem Hund den Tierarzt aufsuchen.

Vergiftung

Die Horrorvorstellung: Das Schränkchen unter der Spüle steht offen, hochgiftige Putzmittel auf dem Boden verstreut und dein Lieblingstier krampft am ganzen Körper und atmet schwer. Was hat er geschluckt? Welche Gifte sind beteiligt? Giftige Substanzen können durch Herunterschlucken, Einatmen und bei direktem Kontakt auch über die Haut aufgenommen werden. Bei diesen Symptomen (je nach Vergiftungsgrad können ein oder mehrere Merkmale auftreten) solltest du schnell handeln: starkes Speicheln, Krämpfe und Zittern, extrem verengte oder erweiterte Pupillen, heftiges Erbrechen oder Durchfall und eine erschwerte Atmung. Erkennst du eine offensichtliche Vergiftung musst du schnell reagieren.

Handelt es sich bei den Giften um Gase, braucht dein Liebling schnellstens frische Luft und eventuell eine künstliche Beatmung. Hat dein Lieblingstier das Gift nicht zu sich genommen, sondern ist mit ätzenden Substanzen in Berührung gekommen, wasche zunächst die Stelle gründlich mit ausreichend Wasser ab. Ist dein Hund noch im Begriff das Gift zu schlucken, heißt die erste Mission: Trenne deinen Vierbeiner vom Gift und spüle sein Maul mit Wasser aus. Auch wenn es für dich logisch erscheint, Erbrechen ist nicht immer die ideale Lösung bei Vergiftungen. Zum einen muss das Tier definitiv noch bei Bewusstsein sein und es dürfen nicht mehr als 30 Minuten seit der Aufnahme des Giftes verstrichen sein und zum anderen darf die Substanz weder reizend noch ätzend wirken. Bei genaueren Fragen zum Thema Notfallbrechmittel fragt am besten bei eurem Tierarzt nach.

Rettung vor dem Ertrinken 

Hunde sind in der Regel gute Schwimmer und das Planschen ist für sie eine wahre Freude. Gefährlich wird es aber, wenn das Ufer zu steil (Swimmingpool, steile Böschung oder Kanal) ist, oder wenn die Tiere im Winter ins Eis einbrechen und sich nicht selbst aus dem Wasser retten können. Gehen wir davon aus, dass bereits Wasser in die Lunge deines Lieblingstiers eingedrungen ist und der Hund sein Bewusstsein verliert. In solchen Situationen solltest du in jedem Fall um Hilfe bitten, denn die wirst du brauchen: beim Herausziehen aus dem Gewässer, bei der Befreiung der Lunge von Wasser und bei der Wiederbelebung. Und du musst dich beeilen, denn nimmt man die Erfahrungswerte von Menschen, sterben innerhalb von 4 bis 7 Minuten ohne Sauerstoff die ersten Hirnzellen ab. Oberste Priorität gilt also dem Prinzip: Wasser raus – Luft rein. Sobald der Hund an Land ist, solltest du damit beginnen, das Wasser aus der Lunge zu entfernen. Dafür hebst du den Hund an den Hinterbeinen hoch und lässt den Körper des Tiers hin- und herschwingen – Mindestens 15 bis 30 Sekunden und bis kein Wasser mehr aus dem Mäulchen läuft.

Für größere und schwerere Hunde kann eine helfende Hand nützlich sein. Solltest du niemanden gefunden haben, der dir in der Notsituation beiseite steht, versuche, nachdem du den Kopf deines Hundes auf die Seite gelegt hast, die Hüfte anzuheben (eventuell findest du auch Hilfsmittel, die du unterlegen kannst). Die Brust hängt dann nach unten. Jetzt schiebe und drücke deine Hände leicht vom Brustkorb deines Lieblingstiers nach vorne zum Hals. Je höher dabei die Hüfte liegt, umso effektiver und erfolgsversprechender ist dabei die Maßnahme. Nachdem das Wasser aus der Lunge entfernt ist, kann der Hund nach dem Standardverfahren wiederbelebt werden. Um den Kreislauf anzukurbeln und einer Unterkühlung vorzubeugen, musst du deinen Liebling gut trocken rubbeln und wenn möglich in eine Decke wickeln. Da du jetzt jederzeit mit einer Schockreaktion und erneutem Bewusstseinsverlust rechnen musst, wähle bitte den schnellsten Weg zum Tierarzt – neben eventuellen Nachwirkungen sollte er zum Beispiel vorsorglich einer Lungenentzündung vorbeugen.

Rettung vor dem Ertrinken
Auch Hunde können ertrinken, was ist zu tun?

Erste-Hilfe-Box

Wenn es um Sekunden geht, ist eine gute Vorbereitung das A und O. Nicht nur im Urlaub ist es daher wichtig, alle Utensilien für den Notfall parat zu haben. Eine gute Grundlage für einen Hunde-Erste-Hilfe-Kasten ist ein ausgedienter Erste-Hilfe Kasten aus dem Auto. Unterschiedliche Hersteller bieten aber inzwischen auch Ersthilfe-Sets speziell für Hunde an. Was muss ein Notfall-Kasten beinhalten? Zum Verbinden und Blutungsstoppen benötigst du je nach Größe deines vierbeinigen Freundes unterschiedliche Mengen an Verbandsmaterial. Packe zur Abdeckung von Wunden sterile Wundauflagen, lange Mullbinden, Gazeetupfer und Verbandswatte zur Polsterung in den Notfall-Koffer. Für die Fixierung kannst du Heftpflaster oder selbsthaftende Verbände nutzen. Je nach Verletzungsart und -ort, kann auch bereits ein vorgefertigter Holzstab zum Schienen bei einem Knochenbruch hilfreich sein. Apropos Holzstab, ein Holzlineal oder eine Art Holzspachtel eignen sich auch prima um einen Blick in den Rachen deines Lieblingstiers zu werfen.

Um dir ein genaueres Bild zu machen, kann auch eine Stifttaschenlampe nicht schaden – prinzipiell solltest du für Abend- und Nachtspaziergänge mit einer Taschenlampe ausgestattet sein, damit du auch im Dunkeln eine Erstversorgung tätigen kannst. Zudem sollte im Notfall-Set immer eine Decke zum Schutz vor Kälte, eine Pinzette (am besten mit abgerundeter Spitze, damit du deinen Vierbeiner – zum Beispiel beim Entfernen eines Insektenstachels im Rachen – nicht zusätzlich verletzen kannst), und einen Kälteakku (zum Abkühlen bei Hitzschlag oder zur Blutstillung). Packe auch sterile Flüssigkeiten und Desinfektionsmittel zur Wundreinigung und zum Augenausspülen ein. Für weitere Medikamente und Notfallutensilien, sprich bitte mit deinem Tierarzt. Im Urlaub wären zum Beispiel sicherlich auch Elektrolyttabletten bei Durchfall oder Erbrechen sinnvoll. Da solltest du von Fall zu Fall abwägen.