Das Verhalten bei mehreren Haustieren

Ein Haustier kommt selten allein – so ist es zumindest in einigen deutschen Haushalten. Egal ob Hunde, Katzen, Kaninchen, Schildkröten oder andere Tierarten. Jede Kombination ist erdenklich in einem Mehrtierhaushalt. Doch bei einem Zuhause mit mehreren Lieblingstieren sollten einige Dinge beachtet werden, um ein friedliches Zusammenleben zu fördern.

Mehrere Katzen

Ein neuer flauschiger Mitbewohner zieht ein, oder vielleicht auch direkt zwei? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich mehrere Katzen anzuschaffen. Einige Katzenfans fangen vielleicht erst mit einem haarigen Mitbewohner an und möchten später doch noch einen weiteren dazu. Für jede Variante gibt es Regeln zu beachten, die das harmonische Zusammenleben ermöglichen.

Fangen wir mit der einfachsten Katzenkombination an: das Geschwisterpaar. Junge Kätzchen haben den starken Drang nach Nähe. Sie kuscheln gerne gemeinsam mit ihren Katzengeschwistern, wenden sich aber auch an andere Katzen, um ihr Kuschelbedürfnis zu stillen. Daher ist es immer einfach, von vornherein ein Katzenpärchen zu sich nach Hause zu holen, welches sich optimalerweise bereits seit Kindestagen kennt. Wurfgeschwister bringen schon die Grundlage der Zuneigung füreinander mit. Bei der Geschlechterwahl für die Geschwisterkombination ist von einem reinen Männerpärchen eher abzuraten, auch wenn eine Kastration durchgeführt wurde, denn hier kann es früher oder später zu einer Rivalität kommen. Das gemischte Doppel oder ein weibliches Doppel ist da weitaus harmonischer.

Zieht nach geraumer Zeit eine zweite Katze ins Haus, sind für ein friedvolles Zusammenleben die ersten Tage entscheidend. Wie auch bei Menschen wird jeder Neuling im „eigenen“ Revier erstmal als Eindringling angesehen. Die neue Katze bekommt mehr Aufmerksamkeit und vielleicht sogar die ein oder andere Streicheleinheit mehr – das kann zur Eifersucht führen. Wenn die ersten Tage direkt mit aggressivem Fauchen beginnen, ist eine Freundschaft zwischen den Katzen eher unwahrscheinlich, jedoch ist das selten der Fall.

Das Kennenlernen der Katzen

Zu Beginn werden sich die Katzen erstmal aus dem Weg gehen und sich erst nach und nach annähern, bis sich daraus eine feste Freundschaft entwickelt. Um die erste Begegnung zwischen den zukünftigen Katzenfreunden zu erleichtern, sollten ein paar Dinge organisiert werden. Der Neuling muss eine eigene Katzentoilette bekommen, einen eigenen Napf und Schlafplatz und auch eigene Kleinigkeiten wie Kratzbrett und Bürste. Wenn jetzt noch der Geruch vom bekannten „Heim“ an den Neuling gehaftet wird, bspw. indem du ihn mit der Kuscheldecke der Erstkatze abrubbelst, dann steht einer langsamen Annährung nichts mehr im Wege.

Nach etwa 4 Wochen lässt sich sagen, ob die Zusammenführung geklappt hat und eine neue Katzenfreundschaft entstanden ist. Kann sich eine Katze nicht in ihr neues Zuhause eingliedern, macht sich dies durch Aggressionsverhalten oder Unsauberkeiten bemerkbar. Ein letzter Rat noch: Das Katzenpaar, welches zusammengeführt werden soll, sollte wenn möglich im selben Alter sein, denn dann können die Interessen gegenseitig gedeckt werden. Doch auch Katzenpaare, die einen erheblichen Altersunterschied haben können harmonieren.

Hier kommt es, wie bei jeder Kombination, auf den Charakter der Katze an. Eine ruhige Seniorkatze wird höchst wahrscheinlich mit einer aufgedrehten Kitten überfordert sein, doch eine aktive Seniorkatze kann auch mit einem Wirbelwind zurechtkommen. Wenn die Zweitkatze aus einem Tierheim kommt, so helfen diese auch gerne, die passende Katze zu finden und unterstützen die Kennenlernphase des zukünftigen Lieblingstierduos.

Schmusetiger im Doppelpack
Nicht nur ein Schmusetiger macht glücklich!

Mehrere Hunde

Bei Hunden ist das Ganze nicht so einfach wie bei Katzen, da macht es auch keinen Unterschied, ob man sich direkt ein Geschwisterpaar holt oder einfach nur zwei Junghunde. Bei Hunden ist schon die Erziehung eines Wirbelwindes schwierig und bei gleich zwei kann es zu einer unbezwingbaren Herausforderung werden. Auch ist bei einem Geschwisterpärchen eine Beziehung vorhanden, in die wir als Herrchen oder Frauchen nur schwer reinpassen. Gerade in den ersten Monaten sollten wir mit unserem Lieblingstier eine enge Bindung aufbauen, was durch ein eingespieltes Zweiergespann erheblich erschwert werden kann. Auch bei einem Zweithund mit Altersunterschied wird es nicht einfach, denn Hunde sind schon immer Rudeltiere gewesen, die einen dominanten Leithund hatten.

Das wird sich auch nicht in einer Wohngemeinschaft ändern. Es wird immer einen dominanteren Hund geben, der in der Rangordnung direkt nach Herrchen oder Frauchen kommt. Dieses Hierarchieverhalten sollte von uns auch nicht unterbunden werden, denn es macht die natürliche Harmonie zwischen den Vierbeinern aus. Daher sollten wir schleunigst herausfinden, welcher der Hunde der dominantere ist. Dies lässt sich am Verhalten beobachten. Ein Beispiel: Der dominantere Hund geht in der Regel voraus, wenn es zum Gassi gehen geht oder er startet mit dem Fressen. Der untergeordnete Hund wird seinem Oberhaupt immer den Vorrang gewähren.

Dein Job im Revierkampf

Die Alpha-Position sollten wir mit kleinen Gesten anerkennen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Es sind Kleinigkeiten, wie dem Alpha-Hund zuerst das Futter hinzustellen oder ihn auch vor dem oder den anderen Hunden zu begrüßen. Doch bevor überhaupt ein zweiter Hund in der Familie aufgenommen werden kann, sollten die Eigenheiten und der Charakter des Ersthundes genau beobachtet werden: mit welchem Geschlecht kommt er gut aus? Ist er eher ruhig oder aufgeweckt? Wie ist sein Erziehungsstand?  Anhand dieser Punkte kann der Zweithund ausgewählt werden, um ein passender Partner für den Ersthund zu werden.

Bei einem sozialunverträglichen Liebling sollte ein Zweithund eher ausgeschlossen werden, hier stehen die Chancen für ein gutes Zusammenleben nicht gut. Ob es auch wirklich zwischen den Vierbeinern harmoniert, sieht man an ihrem Verhalten und ihrer Körpersprache. Bei der Wahl des zweiten Partners auf vier Pfoten ist es ratsam, dass der Ersthund etwas älter ist als der Neuzugang, so ist das Hundeduo besser zu kontrollieren. Die Rasse ergibt sich eher aus den menschlichen Vorlieben und vom Charakter des Ersthundes. So könnte beispielsweise ein gemütlicher Hund mit einem Energiebündel schnell überfordert sein.

Bei der ersten Begegnung ist es wichtig, dass der Neuankömmling nicht einfach ins Revier des Hundes platzt, sondern langsam herangeführt wird. Hier ist es von Vorteil, die beiden Hunde vorab auf neutralem Boden miteinander bekannt zu machen, beispielsweise bei einem gemeinsamen Spaziergang. Zeigen die beiden Hunde Interesse füreinander, so sollte einer zukünftigen Hundefreundschaft nichts mehr im Wege stehen.

Hunde im Doppelpack
Ein Hund kommt selten alleine, oder nicht?

Hund und Katze

Viele von euch kennen sicherlich das Sprichwort: Die beiden sind wie Hund und Katz‘! Ist es wirklich so schwierig, dass Hunde und Katzen unter einem Dach harmonisch zusammenleben können? Wachsen Hunde und Katzen von klein an miteinander auf, so ist ein Zusammenleben in der Regel unproblematisch. Sie können sich an die Körpersprache und Gesten ihres Gegenübers gewöhnen und lernen, sie richtig zu interpretieren. Doch wenn ein Hund ins Katzenrevier eintritt, kann es schon zu Missverständnissen und Spannungen kommen, wohingegen der Hund eine Katze als neue Mitbewohnerin relativ schnell akzeptiert. Für das Zusammenführen von Hund und Katze gibt es also auch ein paar Dinge, die beachtet werden sollten, um die Harmonie nicht zu gefährden.

Bei der Zusammenführung unterschiedlicher Tierarten ist es ähnlich wie bei den schon oben genannten Kombinationen. Es ist viel Geduld gefragt und ein langsames Kennenlernen. Ist der neue Mitbewohner erstmal eingezogen, heißt es für uns: Nur nicht den ersten Liebling vernachlässigen! Es ist normal, dass man ganz vernarrt in den neuen Mitbewohner ist, aber die ungleichmäßige Aufmerksamkeit kann dazu führen, dass sich der erste Liebling vernachlässigt fühlt und das neue Familienmitglied als Eindringling oder Konkurrenz sieht. Daher ist es am Anfang nicht verkehrt, wenn man die beiden neuen Mitbewohner mit kleinen Anerkennungen für gutes Verhalten belohnt. Wichtig ist auch, dass die Schlafplätze und Futterschüsseln klar getrennt sind. So können von vornherein Streitereien verhindert werden.

Tierfreundschaften
Tierfreundschaften sind etwas wunderbares!

Trotz vieler Bemühungen und der Beachtung einiger Regeln ist ein harmonisches Zusammenleben mit mehreren Haustieren nie garantiert. Jedes Tier ist ein Individuum und sollte auch als solches respektiert werden.  Ein Mehrtierhaushalt darf daher niemals erzwungen werden, aber wenn es funktioniert ist es umso schöner.