Bewegungsbedarf nach Hunderassen

Sie sind groß wie eine Dogge oder kompakt wie ein Chihuahua – wenn wir die Rassenvielfalt von Hunden betrachten, können wir kaum glauben, dass es sich dabei um eine einzige Tierart handelt. Unsere Lieblingstiere unterscheiden sich in der Größe, im Aussehen und vor allem durch ihren speziellen Charakter und ihr Temperament. Damit du mit deinem vierbeinigen Freund ein perfektes Team bilden kannst, solltest du dich daher (wenn möglich) bereits vor der Anschaffung mit den einzelnen Rassen vertraut machen. Der Jagdtrieb kann zum Beispiel einen großen Einfluss auf das Verhalten deines Hundes im Alltag haben. Sprich: Bestimmte Wesenszüge benötigen bestimmte Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung. Wie erfährst du nun, welche Rasse für dich geeignet ist?

Gruppeneinteilung der Förderation Cynologique Internationale (FCI)

In ihren Namen finden sich Geburtsorte (Neufundländer), Züchter (Dobermann), Eigenschaften (Ridgeback), Aufgaben (Schäferhund) und ähnliches wieder. Soll eine neue Rasse offiziell anerkannt werden, müssen Züchter aber vor der Namensgebung einiges an Bürokratie erledigen – Zuchtbuch, Verband, Stammbaum, um nur ein paar der Hürden zu nennen. Um Struktur in die Rassenvielfalt und die Neuanträge zu bekommen, hat sich der weltweit größte kynologische Dachverband FCI (Förderation Cynologique Internationale) ein System überlegt. Die Rassenhunde werden in 10 Hauptgruppen unterteilt, die 1983 von Raymond Triquet als „Gesamtheit von Rassen, die eine bestimmte Anzahl von vererbbaren distinktiven Merkmalen gemein haben“ definiert wurden.

Der Verband zählt bisweilen 344 anerkannte Hunderassen und umfasst ganze 94 Mitglieds- und Partnerländer (nur ein Verband pro Land). Jede Hunderasse hat genau ein Mitgliedsland, das als Ursprungsland der jeweiligen Rasse gilt. Die Einteilung und die Rassenanerkennung der FCI ist zwar keine verpflichtende Verordnung für die Züchter, hat sich jedoch international etabliert und gilt in den meisten Vereinen und Verbänden als gesetzt (Weltweit ist von gut 800 Hunderassen auszugehen).

Die Gruppeneinteilung ist unter anderem an die ursprüngliche Zuchtintension angelehnt. Von dem ursprünglichen Einsatz einer Rasse lässt sich mitunter auf den Bewegungsdrang eines Hundes schließen. Beispielsweise gibt es die Gruppe „Hüte- und Treibhunde“. Bei diesen Züchtungen handelt es sich um intelligente Arbeitstiere, die ursprünglich dazu gezüchtet wurden, Nutztiere zu hüten und Herden von einem Ort zum nächsten zu treiben. Durch die Einteilung des Bobtails in diese Gruppe lässt sich also ableiten, dass diese Hunderasse körperliche und geistige Beschäftigung braucht und sich nicht für Stubenhocker eignet. Dieses Training – geistig und sportlich – gilt zwar grundsätzlich für alle Hunde, ist aber unterschiedlich ausgeprägt.

In diesem Zusammenhang kann auch mit dem Irrglauben, dass kleine Hunde prinzipiell nicht so viel Auslauf benötigen, aufgeräumt werden. Der Welsh Corgi Pembroke ist beispielsweise ursprünglich als Viehtreibhund gezüchtet worden und ebenfalls in der Gruppe der Hüte- und Treibhunde zu finden. Er ist auffallend unternehmungslustig und braucht viel Bewegung, dabei misst er gerade einmal eine Höhe von etwa 25-30 cm.

Hüte- und Treibhunde

Um einen Hütehund bei Laune zu halten, solltest du mindestens drei Mal am Tag für einen abwechslungsreichen Spaziergang sorgen. Da alle Rassen dieser Gruppe (zumindest ursprünglich) als Arbeitstier gezüchtet wurden, musst du für eine ausgewogene Beschäftigung sorgen. Nicht von ungefähr werden Hütehunde gerne als Wachhunde eingesetzt. Der bekannteste Vertreter seiner Gruppe ist sicherlich der Schäferhund. Da eines seiner wichtigsten Arbeitsmittel als Schäferkollege das Bellen ist, eignet er sich nur bedingt bis gar nicht als Wohnungshund.

Prinzipiell gelten Hunde dieser Gruppe als selbstständig, wachsam und territorial – die Grundvoraussetzungen dafür, eine Herde Nutzvieh vor fremden Menschen und anderen Tieren zu verteidigen. Hüte- und Treibhunde brauchen körperliche und geistige Beschäftigung und lieben einen großen Auslauf. Neben dem Schäferhund finden sich in dieser Gruppe auch der Australian Cattle Dog (kräftiger und intelligenter Arbeitshund), der Collie (bekannt aus der Fernsehserie und den Kinofilmen über den Hund Lassie – Der Collie hat seinen Namen von den schottischen Schafen namens Colleys), der Border Collie (Ein wahrer Workaholic und beliebter Kandidat für Agility) und viele mehr.

Schäfer mit Hund und Schafsherde
Hütehunde hören in der Regel gut auf Kommandos.

Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde

Diese Gruppe ist wohl eine der kuriosesten Zusammenstellungen. Da sich nur schwer Gemeinsamkeiten zwischen einem Zwergschnauzer und einer Deutschen Dogge finden, betrachten wir hier die einzelnen Sektionen der Gruppe.

Pinscher und Schnauzer

Der Pinscher verdankt seinen Namen seiner ursprünglichen Aufgabe (engl. to pinch = kneifen, zwicken). Er wurde anfänglich zur Mäuse- und Rattenjagd in Ställen eingesetzt. Da die flinken Beutetiere den Takt angeben, müssen die Hunde blitzschnell reagieren und eine hohe Aufmerksamkeitsspanne besitzen. Sicherlich haben Hundefans bei diesen Bildern das Kopfkino von einem kleinen Zwergpinscher laufen, der wie ein Wirbelwind einer Maus hinterherjagt. Dieses Bild ist nicht falsch, doch der viel bekanntere Vertreter der Pinscher ist der Dobermann. Aufgrund der für einen Pinscher untypischen Größe, wird der Dobermann gerne als Wach- und Schutzhund eingesetzt. Hier kommt ihm sein präzises Jagdverhalten zugute. In der Regel sind die Rassen der Pinscher-Sektion jedoch kleiner, da sie durch ihre geringe Körpergröße auch kleinere Versteckorte von Nagern ausfindig machen können.

Die ältesten Darstellungen von Pinschern sind die des Affenpinschers auf den Holzschnitten von Albrecht Dürer (1471-1528). Der Affenpinscher ist eine der ältesten Hunderassen in Deutschland, die sich fast unverändert erhalten hat. Allgemein gilt: Die temperamentvollen, ausdauernden Pinscher benötigen viel Bewegung und lieben Sportarten, in denen sie ihren Jagdtrieb ausleben dürfen. Beim Schnauzer wählen wir die goldene Mitte, denn der sogenannte Mittel-Schnauzer gilt als Ursprung der Schnauzer-Rassen. Aus ihm entstanden durch gezielte Zucht die großen bzw. kleinen Schnauzer-Varianten Riesen- und Zwergschnauzer.

Ebenso wie die Pinscher wurden auch Schnauzer als sogenannte „Rattler“ vorwiegend in Ställen für die Jagd auf Mäuse und Ratten gehalten. Später dienten die Riesenschnauzer vor allem als Hirten- und Wachhunde auf den großen Almen in den Alpen. Heute wird er auch gerne als Dienst- oder Polizeihund eingesetzt, weil er über ein hervorragendes Riechvermögen verfügt. Charakteristisch für Schnauzer ist ihre drahtige Behaarung im Maulbereich und über den Augen. Oft werden Schnauzer als widerspenstig und stur bezeichnet, aber bei rechtzeitiger guter Erziehung und passendem Training, kann er einen verlässlichen Partner abgeben. Schnauzer brauchen wie die Pinscher ein ausdauerndes und abwechslungsreiches Tagesprogramm.

Molossoide

Die Bezeichnung Molossoide geht auf die vom Volk der Molosser in Epirus (Region, die Teile von Griechenland und Albanien bedeckte) gehaltenen Hunde zurück. Die Hirtenhunde der Molosser galten als besonders groß und mutig und auch wenn es bisher nicht bewiesen wurde, spricht man ihnen häufig den Ursprung vieler heutiger Rassen mit ähnlichem Umfang zu. Da ein bekannter Vertreter der Sektion aus Großbritannien die Eigenschaften der Molossoiden gut vertritt, bzw. im historischen Verlauf tatsächlich der Vorfahre vieler heutiger Hunderassen ist, werden sie auch als Hunde vom Mastiff-Typ bezeichnet.

Einige Rassen erhielten sogar den Beinamen Mastiff (Bullmastiff, Spanischer Mastiff, Neapolitanischer Mastiff). Gehalten wurden Molossoide früher als Jagd-, Kriegs-, Wach- sowie Schutzhunde für Herden. Im Mittelalter verlieh ihnen die Bevölkerung die Spitznamen „Bullenbeißer“, „Saupacker“ oder „Bärenhunde“, da sie bei der Jagd und in arrangierten Tierkämpfen auf große Beutetiere gehetzt wurden.

Allgemein gelten Hunderassen der Molossoide als ruhig und ausgeglichen, da sie eine hohe Reizschwelle besitzen. Sie wirken dadurch häufig sogar gelangweilt oder teilnahmslos. Dieser erste Eindruck kann aber täuschen, da sie sich, wenn sie sich bedroht fühlen, oder provoziert werden, durchaus zu wehren wissen und ihre gesparten Kräfte einsetzen. Wer sich einen Molossoiden als Weggefährten wählt, sollte sich ausreichend um eine gute und konsequente Erziehung bemühen, da die Hunde durch ihre Stärke und Masse in vielen Fällen schwerer zu kontrollieren sind. Insgesamt vereint die Sektion der Molossoide große, massige Hunderassen, die spezifisch noch einmal in Doggenartige- und Berghunde unterteilt werden können. Die meisten doggenartigen Rassen zeichnen sich durch einen breiten Schädel und einem muskulösen Körper mit kurzem Fell aus.

Ihre bekanntesten Vertreter sind die Deutsche Dogge, der Rottweiler, die Bordeauxdogge, die Englische Bulldogge, der Broholmer und der Deutsche Boxer. Anders als die doggenartigen Hunde haben die Berghunde längeres Fell, um härteren Witterungen im Freien zu trotzen. Zu den Berghunden gehören unter anderem der Hovawart, der Leonberger, der Landseer und der Neufundländer. Berghunde dienten früher vor allem dazu, Höfe und Herden zu beschützen. Daher überrascht es nicht, dass die meisten Berghunde territoriales Verhalten zeigen – oft zeigt sich diese Prägung aber erst mit dem 3. Lebensjahr, da die großgewachsenen Hunde erst dann ihre soziale Reife erhalten.

Schweizer Sennenhunde

Der Senn bezeichnet den Alpenhirten in der Schweiz und dementsprechend ist der Sennenhund der ihm zugehörige Hof- und Hirtenhund. Bewegung in unwegsamem Gelände, Eigenverantwortung und wenig Scheu vor wilden Tieren kennzeichneten die Zucht des Schweizer Bauernhundes. Aus dieser Zucht bildeten sich im Laufe der Zeit vier Hunderassen aus (der Größe nach absteigend): Grosser Schweizer Sennenhund, Berner Sennenhund, Appenzeller Sennenhund und der Entlebucher Sennenhund. Dabei haben die heutigen Rassen nicht mehr viel mit den ursprünglichen Hunden der Sennen gemein. Die kleinen Hunde (Appenzeller und Entlebucher Sennenhund) wurden traditionell vorwiegend für das Treiben von Rinderherden genutzt, während die großen (Berner und Grosser Schweizer Sennenhund) als Zug-, Wach-, und Herdenschutzhunde eingesetzt wurden.

Die Konzentration auf die dafür benötigten Eigenschaften nahmen aber durch die Ausrottung großer Raubtiere in den Alpen immer mehr ab. Durch die Wiederansiedlung von Wildtieren, wie zum Beispiel dem Wolf, rückt die Abbildzüchtung (Rückzüchtung) auf die ursprünglichen Charakterzüge aber wieder in den Vordergrund der Züchter. Auch wenn er nicht unter die Kategorie fällt, ist auch der Bernhardiner ein Nachfahre der Sennenhunde. Er verdankt seinen Namen den Augustiner-Mönchen von Sankt Bernhard (St. Bernhardshund). Wegen seiner Abhärtung für die Arbeit am hochgelegenen Pass, eignete sich die Zucht besonders als Lawinenhund. Inzwischen ist die Rasse aber schwerer und massiger geworden und sie wurden größtenteils von anderen Hunderassen in ihrer Aufgabe als Lawinenhund abgelöst. Heute ist der Schweizer Nationalhund Bernhardiner ein Haus- und Begleithund und gilt als sanftmütig und liebevoll.

Terrier

Terrier stehen auf ein ausdauerndes Sportprogramm, denn sie waren ursprünglich Jagdhunde, die dazu gezüchtet wurden, Füchse und Dachse aus ihrem unterirdischen Bau zu treiben. Daher stammt auch ihr Name – er leitet sich vom französischen Wort für Erde ab: terre. Kleinere Terrier-Varianten wurden zudem als Rattler eingesetzt. Da sie bei ihrer Jagd häufig von ihren Besitzern ohne Begleitung losgeschickt wurden, mussten sie völlig selbständig handeln können. Und in den Verstecken der Beute mussten sie stets vor einem Gegenangriff gewappnet sein.

In der Zucht konnten sich also besonders forsche und aggressive Tiere durchsetzen. Das Klischee des Terriers als streitlustiger Alleinherrscher der Familie ist also nicht vollständig aus der Luft gegriffen. Terrier benötigen eine konsequente und klare Erziehung und jede Menge Bewegung. Die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe sind der Airedale Terrier – er verkörpert die größte Terrier-Rasse – der Fox Terrier und einer der populärsten Reiterhunde, der Parson Jack Russel Terrier (auch als Jack Russell Terrier bezeichnet– jedoch nicht zu verwechseln mit dem deutschen Jack Russel Terrier).

Terrier eignen sich auch für eine Bergtour
Schon im Mittelalter werden Terrier ausführlich beschrieben.

Dachshunde

Der Dachshund, häufig auch nach seinem bekanntesten Vertreter Dackel oder vor allem in der Jägersprache Teckel genannt, galt bereits im Mittelalter als beliebter Jagdhund – sowohl über, wie auch unter der Erde. Durch seine kurzen Beine (auch Niederläufigkeit oder in der Fachsprache Chondrodystrophie genannt) und dem langen Rücken waren und sind die Dachshunde prädestiniert in den Fuchs- oder Dachsbau zu kriechen und die Jagdbeute aus dem Versteck zu treiben. Die flinken Tiere sind in der Regel ausgeglichen und ausdauernd und haben einen besonders guten Geruchssinn. Je nach Größe werden die Dachshunde in Teckel, Zwergteckel und Kaninchenteckel unterteilt und variieren in der Optik vor allem durch ihre Felllänge (Kurzhaar-, Rauhaar- oder Langhaardackel).

Der muskulöse Rauhaardackel entstand durch das Einkreuzen von Terriern und ist eine der beliebtesten Hunderassen weltweit. Die spezifischen Anforderungen an den Dackel haben seinen Charakter nachhaltig geprägt. So ist er selbstbewusst und kaum unterwürfig, braucht jedoch den sozialen Kontakt und kann daher trotz seines Eigensinns ein toller Begleithund sein. Viele Herrchen und Frauchen lieben ihn gerade aufgrund seines Sturkopfs. Ansonsten ist der Dackel auch mit wenig zufrieden – etwas Natur um ihn herum und er ist glücklich. Trotzdem sollte man als Halter auf seine körperlichen Eigenschaften eingehen, d. h. wenig Treppensteigen und hin und wieder die Ausdauer fördern.

Warum nicht mit dem Dackel joggen gehen?
Dachshunde sind die idealen Begleiter für Familien und Jäger.

Spitze und Hunde des Urtyps

Auch wenn sie sonst nicht viel miteinander verbindet, brauchen Spitz- und Urtyp-Hunde vor allem eines: lauflastige und ausgedehnte Gassi-Gänge. Die Rassen dieser Gruppe sind auf der ganzen Welt beheimatet und aus den unterschiedlichsten Gründen gezüchtet worden. Spitze sind in der Regel mit einer namensgebenden spitzen Schnauze und dichter Wolle ausgestattet. Ausnahmen bilden, vor allem in Bezug auf die Nase, nur Rassen der asiatischen Spitze. Zu der Gruppe der Spitzen gehören neben der europäischen und asiatischen Spitze auch Schlittenhunde und nordische Jagd- und Wachhunde.

Da der Spitz zwar anhänglich, aber auch misstrauisch gegenüber Fremden ist, eignet er sich prima als Wachhund. Die nordischen Rassen werden vor allem wegen ihrem warmen Fell gerne als Hütehunde im Freien gehalten. Die Spitze teilen sich die Gruppe mit Hunden des Urtyps. Ihnen wird nachgesagt, dass sie sich im Laufe vieler Jahrhunderte kaum verändert haben und dem Wolf nicht nur optisch ähnlich sind. Sie kennzeichnen meist Stehohren und eine über den Rücken getragene Ringelrute. Je nach Ursprungsland werden Hunde des Urtyps als Jagd-, Hüte-, Wach-, Gesellschafts- oder Schlittenhunde eingesetzt. Sie gelten als widerspenstig und nicht leicht zu erziehen. Die bekanntesten Hunderassen der Gruppe der Spitz- und Urtyp-Hunde sind der Deutsche Spitz, der Chow-Chow und der Sibirische Husky.

Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen

Lauf- und Schweißhunde sind darauf gezüchtet, auf der Jagd große Reviere zu durchqueren und dem Wild nachzujagen. Sie sind auf Ausdauerläufe getrimmt und benötigen einen weiträumigen Auslauf und viel Bewegung. Im Zuchtverfahren wurden für die Jagd auf weitläufigem Gebiet zudem ausschließlich Tiere mit geringen territorialen Ansprüchen gewählt, wodurch Lauf- und Schweißhunde in der Regel nicht als Wachhunde taugen.

Wer sich für einen Hund dieser Gruppe interessiert, holt sich eine wahre Spürnase ins Haus. Die Hunde können über große Distanzen die Witterung des verfolgten Wilds aufnehmen. Typische Vertreter der Laufhunde sind der English Foxhound, der Basset, der Schweizerische Niederlaufhund, der Otterhund und der Beagle. Im Gegensatz zu den Laufhunden, die früher gerne auch für die Hetzjagd eingesetzt wurden, gehen Schweißhunde nicht in einer Meute auf die Pirsch, sondern „arbeiten“ alleine. Sie werden vor allem auf die Spur bereits verletzter Wildtiere angesetzt. Die durch abtropfendes Blut angeschossener Wildtiere markierte Spur wird auch als Schweißfährte oder Schweißspur bezeichnet und ist daher namensgebend für die Sektion der Schweißhunde.

Vertreter ihrer Art sind beispielsweise der Bayerische Gebirgsschweißhund und die Alpenländische Dachsbracke. Der ausgeprägte Jagdinstinkt der Lauf- und Schweißhunde kann für viele Hundehalter zu einer echten Herausforderung werden. Einige Rassen der Gruppe werden daher immer noch fast ausschließlich als Gebrauchshund für die Jagd gezüchtet.

Vorstehhunde 

Vorstehhunde haben ihren Namen vom sogenannten „dem Wild vor stehen“. Das Beschreibt die Haltung, die der Hund einnimmt, sobald er Wild entdeckt und mit seiner Verhaltensweise dem Jäger das Signal zur Vorbereitung auf den Schuss gibt. Auch wenn es nach einer rein dressierten Pose aussieht, ist die Haltung den Hunderassen angeboren und nur durch Zuchtauslese verstärkt worden. Beim Vorstehen verharrt der Hund in einer leicht nach vorne gerichteten Position und hebt im Normalfall einen Vorderlauf im angewinkelten Zustand (in seltenen Fällen kann ein Hund auch seinen Hinterlauf heben).

Das Aufschrecken oder Jagen gehört nicht zu den Aufgaben der Hunde. Daher versuchen sie die Beute nicht auf sich Aufmerksam zu machen. Manchmal stehen die Tiere dem Wild oder Gefieder sehr früh vor und analysieren die Lage, bevor sie den Jäger näher an die Beute führen und „nachstehen“. Das Aufscheuchen des Wilds überlässt der Hund schließlich seinem Herrchen oder Frauchen. Dieses Aufscheuchen vom Jäger nennt man auch „hoch machen“. Damit der Hund die Beute nicht selbst erlegt oder hetzt, benötigt er eine konsequente Dressur. Zudem durchstreifen Vorstehhunde, ähnlich wie Lauf- und Schweißhunde, das Jagdrevier zunächst alleine und müssen selbständig agieren. Dadurch ist die Bindung zum Menschen nicht sehr ausgeprägt. Dennoch können sie sich gut in das Mensch-Hund-Gefüge integrieren, unter anderem, da sie den Kommandos (in diesem Falle die des Jägers) folgen müssen.

Ihren ausgeprägten Jagdinstinkt können Vorstehhunde nur schwer ignorieren, sodass sie im besten Fall auch heute noch in die Obhut eines Jägers gelangen. Als Stadthunde sind die freiheitsliebenden Tiere völlig ungeeignet. Sie benötigen viel Auslauf und eine Beschäftigung, die ihren Eigenschaften als „Schnüffler“ entgegenkommt. Bekannte Vertreter ihrer Sektion sind: Deutsch Drahthaar, Irish Setter, Weimaraner, English Pointer, Spaniel und der Kleine und der Große Münsterländer.

Vorstehhunde erlegen die Beute nicht
Ein Vorstehhund kann bei der Jagd einen vielfältigen Arbeitsbereich abdecken.

Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde

Apportier-, Stöber- und Wasserhunde lieben Ausdauersportarten und Spiele. Sie haben das Apportieren sozusagen im Blut, denn ihr Job war stets das Wild direkt zum Jäger zu bringen. Sei es beim Apportierhund die bereits erbeutete gefiederte Variante, beim Stöberhund das niedere Jagdwild, dass er auf den Jäger zutreibt oder beim Wasserhund die Hilfe beim Fischfang. Apportierhunde haben keine Probleme sich Menschen unterzuordnen und haben ein sogenanntes „weiches Maul“. Ihre Zucht erforderte einen sensiblen Umgang mit der Beute, damit sie zum Beispiel zarte Wasservögel nicht mit ihren Zähnen verletzten oder beschädigen.

Das ist bei Apportierhunden auch heute noch häufig zu beobachten. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Retriever gefangene Tiere wie Mäuse oder junge Kaninchen stundenlang im Maul herumtragen. Und das ohne ihnen ein Haar zu krümmen. Die Hunderassen der Apportier-, Stöber- und Wasserhunde eignen sich perfekt als Haus- oder Familienhunde. Sie sind vorwiegend ausgeglichen, mit anderen Hunden verträglich und wenig territorial ausgeprägt sind. Sie brauchen jedoch ein Ventil für ihren Bewegungsdrang und sollten daher die Möglichkeit erhalten, ein Training- oder Sportprogramm zu absolvieren.

Die Zucht der Wasserhunde hat zudem einige gute Schwimmer hervorgebracht. Wer sich einen Wasserhund als Haustier wünscht, sollte darauf achten, dass sich der Hund auch seinem Lieblingselement widmen darf und stets ein paar Runden im Wasser drehen kann. Einer der bekanntesten Vertreter der Wasserhunde ist der Barbet. Aber auch der irische Wasserspaniel wurde speziell für die Wasserjagd gezüchtet. Weitere Vertreter der Apportier-, Stöber- und Wasserhunde sind der Cocker Spaniel, der Dalmatiner, der Labrador- und der Golden Retriever.

Gesellschafts- und Begleithunde

Neben den ansonsten hauptsächlich für die Jagd gezüchteten Hunderassen erfüllen Gesellschafts- und Begleithunde eigentlich nur eine Aufgabe: Sie sind der beste Freund und Spielkamerad für den Menschen. Die häufig sehr liebevollen Tiere sind meist leicht zu erziehen, umgänglich und familienfreundlich. In dieser großen Gruppe finden sich Bichons, Pudel, Pekinesen, Chihuahuas und viele mehr. Die eingegliederten Hunderassen variieren stark in ihrem Aussehen, besitzen aber fast durchwegs einen friedfertigen Charakter. Wer jedoch einen unterwürfigen Schoßhund erwartet, wird sicherlich von dem oft selbstbewussten Eigensinn einiger Tiere überrascht. Eine gute Ausbildung ist daher unerlässlich. Einige Rassen geben sich auch mit weniger Auslauf zufrieden. Wobei auch bei Gesellschafts- und Begleithunden auf ausreichend Bewegung geachtet werden muss. Am besten du lässt dich bereits vor der Anschaffung eines Hundes einer bestimmten Rasse ausgiebig beraten. Bekannteste Vertreter der Gruppe sind der Cavalier King Charles Spaniel, die Französische Bulldogge und der Malteser.

Windhunde

Wer sich einen Windhund als besten Freund zu sich nach Hause nehmen will, muss sich bewusst sein, dass er lange und häufige Ausläufe benötigt. Die schlanken, langbeinigen Tiere gehören zu den schnellsten Landtieren der Welt. Ein Exemplar, der Greyhound, schafft es mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h nach dem Gepard sogar auf Platz 2. Windhunde wurden speziell für die Hetz- und Treibjagd auf flinke Beutetiere wie Hasen und Gazellen gezüchtet. Dabei jagen die Hunde auf Sicht über lange Strecken hinweg.

Alle Windhunderassen gelten als umgänglich und freundlich. Doch auch Windhunde brauchen eine gute Erziehung. Es kann passieren, dass der sonst so ruhige und unauffällige Hund im Freilauf plötzlich blitzschnell auf ein vermeintliches Beutetier reagiert und jeglichen Gehorsam vergisst. Die bekanntesten Rassen dieser Gruppe sind der Afghanische Windhund, der Irische Wolfshund (die größte Hunderasse der Welt) und der Saluki.

Durch die Zuchteigenschaften bestimmter Gruppen, kann der Bewegungsdrang eines Hundes gut eingeschätzt werden. Der eigene Kopf und die individuellen Charakterzüge sind jedoch nicht Teil dieser Eingruppierung. Somit kann nie ausgeschlossen werden, dass sich ein Hund einmal atypisch seiner Rasse verhält. Zudem spielt das Alter deines Hundes eine enorme Rolle bei seinen Bedürfnissen nach Bewegung und Auslauf. Informiere Dich also gut über die Erfordernisse bestimmter Rassen. Lerne aber auch deinen Hund zu lesen und auf seine persönlichen Wünsche einzugehen.