Augenprobleme beim Hund: Was tun bei trockenem Auge und Co.?

Dein Hund blinzelt ständig, reibt sich die Augen mit der Pfote oder scheint nicht mehr gut zu sehen? Dann steckt vielleicht mehr dahinter. Augenerkrankungen sind bei Hunden gar nicht mal so selten. Und sie sind ganz schön unangenehm für deinen Vierbeiner – daher solltest du wissen, wie du Erkrankungen erkennst und ihnen vorbeugst. Wir verraten dir mehr zu diesem wichtigen Thema.

Das Auge deines Hundes: ein spannendes Organ

Schauen wir uns zunächst einmal an, wie die Anatomie des Hundeauges eigentlich aussieht. Das hilft dir zu verstehen, wie es zu Problemen mit diesem Sinnesorgan kommt.

Das Auge deines Hundes ist mit einigen Schutzmechanismen ausgestattet:

  • Die Augenlider, die den empfindlichen Augapfel schützen.
  • Die Wimpern, die verhindern, dass Fremdkörper ins Auge eintreten.
  • Die feste Hornhaut, welche die Oberfläche des Auges schützt und
  • Die Tränenflüssigkeit.

Die Tränenflüssigkeit des Hundes besteht zu etwa 98 Prozent aus Wasser und zu ca. 2 Prozent aus Proteinen (Eiweißen), Glukose und anderen Bestandteilen.  Dein Hund benötigt ausreichend Tränenflüssigkeit, denn diese

  • befeuchtet und reinigt die Augenoberfläche
  • versorgt das Auge mit wichtigen Nährstoffen
  • stellt sicher, dass dein Hund klar sieht
  • verhindert das Austrocknen des Hundeauges und
  • schützt dieses vor Infektionen

Du siehst: Jeder Bestandteil des Hundeauges hat eine wichtige Funktion. Verändert sich hier etwas, kann es zu Problemen und Erkrankungen beim Hund kommen.

Welche Augenerkrankungen treten bei Hunden auf?

Wenn dein Vierbeiner Anzeichen von Augenproblemen zeigt, könnte eine der folgenden Augenkrankheiten dahinterstecken.

Eine häufige Augenerkrankung beim Hund ist das sogenannte „Trockene Auge“, in der Medizinsprache als Keratoconjunctivitis sicca (KCS) bezeichnet. Eine ausführlichere Erklärung zu den Symptomen und der Behandlung findest du weiter unten im Beitrag, im Abschnitt nach der Auflistung der Augenerkrankungen.

Eine der populärsten Hunderassen trifft häufig die Keratitis superficialis chronica (KSC) – auch „Schäferhundkeratitis“ genannt. Die Erkrankung ist ein Autoimmun–Defekt, bei dem das Immunsystem die Hornhaut direkt angreift. Da die Erkrankung genetisch bedingt ist, trifft sie hauptsächlich Schäferhunde und Schäferhundmischlinge, kommt aber auch bei anderen Hunderassen vor. Erste sichtbare Anzeichen für eine Erkrankung sind kirschrote Flecken auf der Hornhaut. Sie entstehen durch gefäßhaltiges Granulations- und Bindegewebe, welches in die oberen Schichten der Hornhaut einwächst. Auslöser ist in vielen Fällen die UV-Strahlung. Eine fortschreitende Erkrankung kann bis zur Erblindung deines Hundes führen.

Für genauere Informationen, frage deinen Tierarzt
Der Tierarzt kann dir sagen, unter welchen Augenproblemen dein Liebling leidet

Eine Bindehautentzündung (medizinisch Konjunktivitis genannt) entsteht durch Fremdkörper oder Zugluft. Auch Infektionen mit Viren, Bakterien oder Pilzen lösen die Entzündung der Bindehaut aus.

Ältere Hunde, insbesondere solche mit Diabetes, haben ein erhöhtes Risiko, einen Grauen Star zu entwickeln. Diese Augenkrankheit, die man auch als Katarakt bezeichnet, geht mit einer Linsentrübung einher und kann bis zur Erblindung führen.

 

Neben dem Grauen gibt es auch einen Grünen Star – ebenfalls unter dem Namen Glaukom bekannt. Dieses Glaukom ist bei manchen Hunden angeboren. Bei anderen entsteht es beispielsweise infolge einer Entzündung. Wenn dein Hund Grünen Star hat, ist sein Augeninnendruck stark erhöht.

Zu den vererbbaren Augenerkrankungen bei Hunden gehört die Multifokale Retinopathie (CMR). Diese Netzhauterkrankung ist genetisch bedingt. Das bedeutet, dass der Hund bereits mit der Erkrankung oder mit der Veranlagung zu dieser geboren wird.

Trockenes Auge bei Hunden: Was steckt dahinter?

Wenn dein Hund unter trockenen Augen leidet, kann eine Erkrankung dahinterstecken, die einer weiteren Klärung bedarf. Bei der Keratoconjunctivitis sicca wird zu wenig Tränenflüssigkeit produziert, was zu starken Reizungen und Juckreiz führt.

Die Ursache, die dahintersteckt, ist oft eine fehlerhafte Immunreaktion des Hundekörpers. Diese zerstört die Tränendrüsen, sodass diese ihre wichtige Aufgabe nicht mehr vollständig wahrnehmen. In manchen Fällen steckt auch eine chronische Bindehautentzündung hinter dem „Trockenen Auge“ beim Hund.

Seltener liegt eine gestörte Verbindung der Nerven vor. Dann leiten die Nerven kein Signal zur Tränenproduktion an die Drüsen weiter. Wenn die Nerven eine Rolle bei der Erkrankung spielen, ist allerdings meistens nur ein Auge von der Trockenheit betroffen und auch das Nasenloch der gleichen Seite fühlt sich sehr trocken an.

Ob dein Hund unter einem „Trockenen Auge“ leidet, findet dein Tierarzt heraus.

Gibt es Rassenunterschiede bei der Entstehung von Augenkrankheiten?

Tatsächlich sind einige Hunderassen häufiger von gewissen Augenproblemen betroffen als andere. Wie zum Beispiel der Schäferhund der KSC. Zu wissen, ob dein Hund ein erhöhtes Risiko für solche Augenprobleme hat, kann nützlich sein. So kannst du stets darauf achten, ob die Augen deines Vierbeiners gesund sind und im Zweifel frühestmöglich den Tierarzt aufsuchen.

  • Trockenes Auge: Hier sind vor allem Englische Bulldoggen, West Highland White Terrier, Cavalier King Charles Spaniel oder Cocker Spaniel gefährdet. Auch Diabetiker-Hunde bekommen häufiger trockene Augen.
Keratoconjunctivitis sicca (KCS)
Wenn dein Hund unter trockenen Augen leidet, kann eine Erkrankung dahinterstecken
  • Kurznasige Hunderassen wie Möpse oder Bulldoggen weisen oft einen geringen Fettanteil in ihrer Tränenflüssigkeit auf. Diese verleiht den Tränen Stabilität. Fehlen diese Fettsäuren, perlt der Tränenfilm quasi von den Augen ab, ohne ihre Funktion zu erfüllen.
  • Reizungen und Augen-Infektionen: Hiervon sind besonders Hunde betroffen, die am Kopf langes Fell haben, etwa Malteser oder Pudel.
  • Nach innen gerolltes unteres Augenlid: Dieses Problem, das ebenfalls zu Reizungen führt, tritt bei Rottweilern, Collies oder Labrador Retrievern häufiger auf.
  • Auch Bluthunde, Bernhardiner, Doggen und Mastiffs zählen zu den Hunderassen, die zu Augenproblemen neigen, denn sie haben ein unteres Hängelid, das für Fremdkörper leicht zugänglich ist.

Ob dein Hund ein erhöhtes Risiko für Augenprobleme hat oder nicht – du solltest die Anzeichen hierfür stets im Hinterkopf behalten. Denn je früher Augenerkrankungen behandelt werden, umso besser ist ihre Prognose – und damit die Chance, dass es deinem Liebling bald wieder gut geht.

Wie erkenne ich Augenprobleme bei meinem Hund?

Du vermutest, dass dein Lieblingstier Augenprobleme hat? Dann achte auf die folgenden Anzeichen:

  • häufiges Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen
  • Augenreiben mit den Pfoten
  • starker Tränenfluss
  • gerötete Bindehaut
  • (eitriger) Ausfluss
  • verklebte Augen
  • Hornhauttrübung
  • offene Verletzungen, die sichtbar sind
  • Fremdkörper, die im Auge festsitzen
  • Berührungsängste, vor allem am Kopf
  • Lichtempfindlichkeit

Natürlich müssen nicht all diese Symptome gleichzeitig bei deinem Hund auftreten. Wenn du eines oder sogar mehrere dieser Anzeichen bei ihm bemerkst, wird es Zeit, den Tierarzt deines Vertrauens zu besuchen. Denn Augenreizungen, Trockenheit und Co. sind ganz schön unangenehm für deinen Liebling.

Was tun, wenn der Vierbeiner Augenprobleme hat?

Augenverletzungen sind in vielen Fällen ein echter Notfall. Du solltest daher sofort den Tierarzt aufsuchen. Auf dem Weg dorthin kann es sinnvoll sein, die Augen deines Hundes mit einem (feuchten) Tuch abzudecken. Das erspart ihm schmerzhaftes Blinzeln und Licht, das ihn eventuell gerade stört.

Der Tierarzt stellt eine Diagnose, die es ihm erlaubt, die geeignete Behandlung festzulegen. Wenn er ein „Trockenes Auge“ bei deinem Hund vermutet, wird er einen speziellen Test durchführen: Dafür hält er einen Streifen Papier in den Bindehautsack hinein und misst die Zeit, bis dieser sich mit Tränenflüssigkeit vollsaugt. Keine Sorge, das tut deinem Liebling überhaupt nicht weh! Der Tierarzt vergleicht die gemessene Zeit mit den Normalwerten und stellt so fest, ob eine krankhafte Augentrockenheit vorliegt.

Ist der Test positiv – also die Erkrankung bestätigt –, wird dein Tierarzt dir geeignete Methoden und Präparate zeigen, welche das Wohlbefinden deines Hundes wieder verbessern. Er wird zudem in Zukunft nachverfolgen, wie die Funktion der Tränendrüsen sich entwickelt.

Vorbeugung: Wie sieht die korrekte Augenpflege aus?

Um die Augengesundheit deines Hundes zu fördern, investiere gerne ein wenig Zeit in deren Pflege.

Alle Hunde mit langem Fell profitieren von einer Kürzung der Haare im Augenbereich. So vermeidest du Reizungen durch diese.

Dein Hund neigt zu Augenproblemen, insbesondere zur Bindehautentzündung? Dann solltest du mit ihm windige, staubige Umgebungen meiden. Auch das Autofahren bei offenem Fenster ist in dem Fall eher ungeeignet für deinen vierbeinigen Freund.

Risikohunde (siehe unsere Liste oben) sollten regelmäßig dem Tierarzt vorgestellt werden. Nutze einfach die regelmäßigen Check-ups oder Impfungen, um die Augen deines Hundes nochmal richtig durchchecken zu lassen.

Zuhause kannst du übrigens auch den „Wattebauschtest“ durchführen, um die Sehkraft deines Vierbeiners auf die Probe zu stellen: Lasse einfach vor seinen Augen einen Wattebausch aus der Höhe herunterfallen und schaue, ob dein Hund dessen Fall mit den Augen nachverfolgt. Falls er das nicht tut, könnte seine Sehkraft eingeschränkt sein. Ein Tierarztbesuch liefert dir dann Klarheit.

Je früher Erkrankungen wie das „Trockene Auge” oder andere Beschwerden erkannt und behandelt werden, umso höher ist die Chance, dass sich dein Lieblingstier schon bald wieder rundum wohlfühlt.