Übergewicht (Adipositas) bei Katzen

Über die Hälfte der erwachsenen Deutschen ist übergewichtig, fast ein Viertel davon sogar krankhaft (adipös). Doch nicht nur die Spezies Mensch kann davon betroffen sein! Mit großer Wahrscheinlichkeit hast du auch schon einmal Katzen gesehen, die etwas dicker sind als der Durchschnitt. Doch ab wann spricht man von (krankhaftem) Übergewicht? Und wie gefährlich kann das werden? Diese und weitere spannende Informationen findet ihr in unserem Artikel.

Medizinische Definition und Beurteilung

Eine wichtige Definition zuerst: wann spricht man von Übergewicht, wann von Adipositas und was bedeutet das? Im medizinischen Sinne ist ein Vierbeiner übergewichtig, sobald das Körpergewicht 10-20 % über dem Idealgewicht liegt. Von krankhafter Fettleibigkeit (Adipositas) spricht man, wenn die Katze 30 % zuzüglich zum Idealgewicht oder sogar mehr auf die Waage bringt. Die Information, dass die durchschnittliche europäische Hauskatze 3,4 kg (weiblich) und 4,3 kg (männlich) wiegt, hilft bei der Berechnung nur bedingt weiter, da viele weitere Faktoren bedacht werden müssen. Doch wie kann man das Idealgewicht seiner Samtpfote ermitteln? Das ist leider nicht ohne weiteres möglich, denn anders als beim Menschen existiert für Katzen keine Formel wie die des BMI (Body Mass Index).

Ab wann wiegt die Katze zu viel?
Kein BMI für Katzen – wie lautet das Idealgewicht? | Lieblingstier

Behelfen kann man sich jedoch mit dem so genannten BCS (Body Condition Score): durch eine individuelle Betrachtung und behutsames Abtasten kann das Tier in eine der folgenden fünf Kategorien zugeordnet werden:

  • BCS 1: Die Rippen, der Rückenwirbel und Beckenknochen sind deutlich erkennbar. Eine Fettschicht auf dem Brustkorb ist nicht zu fühlen, ein deutlicher Verlust der Muskelmasse sowie eine Bauchlinie, die stark eingezogen ist. → Starkes Untergewicht
  • BCS 2: Die Rippen und Taille sind erkennbar, Bauchfett ist kaum vorhanden. Auf dem Brustkorb ist eine sehr dünne Fettschicht. → Untergewicht
  • BCS 3: Alles in allem hat die Katze gute Proportionen. Die Rippen sind problemlos unter einer (dünnen) Fettschicht fühl-, jedoch nicht sichtbar. Eine dünne Fettschicht auf dem Brustkorb und wenig Bauchfett sind vorhanden. → Idealgewicht
  • BCS 4: Die Rippen sind wegen der darauf liegenden Fettschicht nur schwer zu ertasten, die Taille ist kaum zu erkennen. Am Schwanzansatz, auf dem Brustkorb und auf dem Rückgrat ist eine Fettschicht fühlbar, der Bauchumfang ist zudem vergrößert. → Übergewicht
  • BCS 5: Die Rippen, die unter einer dicken Fettschicht liegen, sind nur noch schwer beziehungsweise überhaupt nicht zu ertasten. Eine Taille ist nicht erkennbar, der Bauchumfang ist stark vergrößert, umfangreiche Fettablagerungen sind vorhanden. → Fettleibigkeit

In mancher Fachliteratur wird sogar von 9 BCS-Klassen gesprochen, um noch feinere Einschätzungen zu treffen.

Achte auf das Gewicht deines Haustiers
Übergewicht bei Katzen – Gefahr für die Tiergesundheit | Lieblingstier

Ursachen von Übergewicht bei Katzen

Hinzu kommt, dass die Bewegungsfreude mit zunehmendem Gewicht immer weiter nachlässt, wodurch ein sprichwörtlicher Teufelskreis entsteht. Ein weiterer Grund, der Fettleibigkeit massiv begünstigen kann, ist eine Kastration. Die Produktion der Geschlechtshormone, die einen starken Einfluss auf den Stoffwechsel und Appetit des Tieres haben, wird im Anschluss an diesen Eingriff enorm behindert. Unter Umständen kann die Ursache von Übergewicht auch von Krankheiten ausgelöst werden. Deshalb ist es umso wichtiger, bei ersten Anzeichen unbedingt mit der Tierarztpraxis deines Vertrauens Kontakt aufzunehmen.

Die Folgen von (krankhaftem) Übergewicht sind zahlreich und auf gar keinen Fall zu unterschätzen! Neben einem stark erhöhten Diabetes-Risiko können sich Harnwegsentzündungen, – kristalle und –steine bilden. Auch Probleme mit dem Bewegungsapparat (wie beispielsweise durch eine Arthrose) sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.

Behandlung der Adipositas / Übergewicht bei Katzen

Hier gilt – wie so oft – die Devise: Lieber zu früh, als zu spät handeln! Bei ersten Anzeichen von Übergewicht solltest du zuerst die Futtergewohnheiten deines Lieblingstiers analysieren: Wie oft bekommt dein Tier eine Mahlzeit? Wie oft verteilst du Leckerlies? Welche Inhaltsstoffe sind in dem Futter? Bei leichten Fällen von Übergewicht kann es reichen, die Futtermenge Schritt für Schritt ein wenig zu reduzieren. Bei schwerwiegenden Fällen ist, wie bereits erwähnt, der Gang zur Tierarztpraxis erforderlich. Schließt das medizinische Personal dort Krankheiten als Ursache aus, könnt ihr einen professionellen Diätplan aufstellen, der perfekt auf deine Samtpfote abgestimmt ist.

Neben einer (deutlichen) Reduzierung des Futters solltest du das tägliche Bewegungsprogramm deiner Mieze steigern. Vor allem bei Wohnungskatzen kann es helfen, sich mehr Zeit (mindestens eine Stunde pro Tag) für Spieleinheiten zu nehmen oder ab und zu gemeinsame Spaziergänge zu absolvieren. Auch bei Katzen kann es zum „Jo-Jo-Effekt“ kommen, der von vielen Menschen gefürchtet wird. Wenn das angestrebte Idealgewicht erreicht ist, solltest du deshalb auch in Zukunft damit fortfahren, auf eine gesunde Fütterung zu achten.